{"id":1142,"date":"2023-03-18T16:27:19","date_gmt":"2023-03-18T14:27:19","guid":{"rendered":"https:\/\/antithesi.gr\/?page_id=1142"},"modified":"2023-07-26T17:04:15","modified_gmt":"2023-07-26T15:04:15","slug":"gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/antithesi.gr\/?page_id=1142","title":{"rendered":"Gegen die leninistische Position zum Imperialismus"},"content":{"rendered":"<div class=\"entry-meta\">Translation <span class=\"meta-sep\">by<\/span> <span class=\"author vcard\"><a class=\"url fn n\" title=\"View all posts by Soligruppe f\u00fcr Gefangene\" href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/author\/snoopy\/\">Soligruppe f\u00fcr Gefangene<\/a><\/span><\/div>\n<div class=\"entry-content\">\n<p><em>Gefunden auf der Seite von <a href=\"http:\/\/insurgentnotes.com\/2022\/12\/contra-the-leninist-position-on-imperialism\/\">Insurgent Notes<\/a>, erschien auch als Artikel in deren letzten Ausgabe, <\/em><em>Nummer 25,<\/em><em> die den Schwerpunkt des Krieges in der Ukraine tr\u00e4gt. Der Artikel wurde von der griechischen Gruppe \u201aAntithesi\u2018 geschrieben. <\/em><em>Wir haben alle Zitate direkt aus den Ausgaben auf deutscher Sprache \u00fcbernommen, wird also mit den Quellen, bezogen auf die Seitenangabe, die angegeben werden meistens nicht stimmen, was wahrscheinlich egal ist, weil es eh niemand \u00fcberpr\u00fcft.<\/em><\/p>\n<p><span id=\"more-4810\"><\/span><em>Z<\/em><em>u der Ausgabe von Insurgent Notes wollen wir sagen, dass auf dieser sowohl sehr gute Artikel erscheinen die gegen jegliche Positionierung, nicht zu verwechseln mit einer Art von Enthaltung, oder Neutralit\u00e4t, in den Kriegen des Kapitals sind, aber auch jene die sich f\u00fcr die Unterst\u00fctzung der Demokratie (sic) in der Ukraine stark machen. F\u00fcr uns als eine anarchistische Gruppe ist es eine falsche Dichotomie sich entweder hinter Russland noch hinter der Ukraine sich zu stellen, daher werden wir solche Haltungen immer angreifen. Es gilt wie immer den Staat-Nation und das Kapital anzugreifen und nicht eine Feuerpause mit einer dieser Fraktionen beizuschw\u00f6ren, wenn auch gesagt werden muss, dass der Staat-Nation dies eigentlich nie von Anarchistinnen und Anarchisten fordert, umso konterrevolution\u00e4rer ist es daher, wenn diese es freiwillig machen.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Artikel von Antithesi ist dennoch eine mehr als willkommende Analyse und Kritik der Theorie des Imperialismus von der Hand von Lenin. Denn, wenn gewollt oder nicht, bewusst oder nicht, es ist nach wie vor die g\u00e4ngigste Form den Imperialismus, sprich seine historische Aufgabe und Rolle, zu beschreiben. Und wenn zwei reaktion\u00e4re Positionen, die Pro-Russische und die Pro-Ukrainische, zumindest bei letzterer anhand von Anarchistinnen und Anarchisten, den Imperialismus gleicherma\u00dfen beschreiben, dann muss entweder eine Seite falsch liegen, oder gleicherma\u00dfen beide.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir sagten es schon in unseren Texten dass jeder Staat-Nation, als territorialer Verwalter des Kapitals, egal wie gro\u00df oder klein dieser auch sein mag, durch die inh\u00e4renten Zw\u00e4nge des Kapitals, sich zu erweitern, durch Akkumulation wachsen, usw., darausfolgend ein imperialistischer Staat-Nation sein muss. Es gibt also daher auf der Welt keine kleinen Staaten-Nationen die zu sch\u00fctzen sind, denn alle, ohne Ausnahme, <\/em><em>unterliegen diesen Zwang. F\u00fcr diese Aussage, die der von Lenin komplett kontr\u00e4r ist, wurden wir ironischerwei\u00dfe schon als Leninisten bezeichnet, nun sei es so. Wir werden es so oft wiederholen m\u00fcssen wie es notwendig ist, in diesen Konflikt werden die ausgebeuteten Massen f\u00fcr die Interessen der herrschenden Klasse der L\u00e4nder in denen sie leben m\u00fcssen massakriert. Es gibt daher keine Option zu diesem Schlachthaus au\u00dfer der sozialen Revolution die alle Staaten, alle Nationen und den Kapitalismus zerst\u00f6ren m\u00fcssen.<\/em><\/p>\n<p><em>Soligruppe f\u00fcr Gefangene<\/em><\/p>\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n<p><strong>Gegen die leninistische Position zum Imperialismus<\/strong> | erschien auf Insurgent Notes von Antithesi<\/p>\n<p>Von Antithesi<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: left;\">Unser urspr\u00fcngliches Ziel vor der Ver\u00f6ffentlichung des Textes \u00fcber den Krieg in der Ukraine \u201eWar and Crisis\u201c in englischer Sprache war es, zusammen mit anderen Genossen einen gr\u00f6\u00dferen, umfassenden Artikel zu verfassen, der neben dem Text \u00fcber die gegenw\u00e4rtige Situation auch eine Kritik des Imperialismus und des Antiimperialismus auf der Grundlage eines bestimmten Verst\u00e4ndnisses von Kapital, Staat und Weltmarkt enthalten sollte. Ein Verst\u00e4ndnis des Kapitals als soziales Produktionsverh\u00e4ltnis, des Staates als politische Form der Herrschaft des Kapitals und des Weltmarktes als Unterscheidungsmerkmal und wesentliches Element des Kapitalismus und als notwendige Bedingung f\u00fcr die Existenz von Nationen-Staaten. Au\u00dferdem sollte der Artikel eine Polemik gegen den linken Nationalismus und die verschiedenen Formen der Kriegstreiberei und der \u201eUnion Sacr\u00e9e\u201c zwischen den Klassen sowie eine Verteidigung des revolution\u00e4ren Def\u00e4tismus enthalten. Leider war es aufgrund der Umst\u00e4nde nicht m\u00f6glich, diesen Artikel als einen einzigen Essay fertigzustellen, und seine Teile werden als unabh\u00e4ngige Texte ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Antithesi &amp; Freunde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Konzept des Imperialismus wurde im zwanzigsten Jahrhundert verwendet, um zwei Hauptph\u00e4nomene zu beschreiben: zum einen die milit\u00e4rische Aggression kapitalistischer Staaten (imperialistische Kriege, milit\u00e4rische Besatzung und territoriale Eroberung) und zum anderen die globale Expansion der kapitalistischen Produktionsweise in all ihren \u00f6konomischen, politischen, sozialen und kulturellen Aspekten.<\/p>\n<p>Da Marx den globalen Charakter und die Expansion des Kapitalismus als inh\u00e4rente Aspekte des Kapitalismus betrachtete, brauchte er kein spezifisches Konzept, um diese Ph\u00e4nomene zu bezeichnen. Und obwohl er die Gewalt, Unterdr\u00fcckung und Ausbeutung des Kolonialismus vehement angriff, war er auch der Meinung, dass der Prozess der kapitalistischen Modernisierung die Voraussetzungen f\u00fcr eine historische Situation schafft, in der die Menschheit eine emanzipierte Gesellschaftsform schaffen kann (obwohl er nicht der Meinung war, dass jede vorkapitalistische Gesellschaftsform auf dem Weg zur Emanzipation den Prozess der kapitalistischen \u201eprimitiven Akkumulation\u201c durchlaufen muss).<\/p>\n<p>Aus diesem Grund hat der Begriff des Imperialismus (oder alternativ der Begriff des Imperiums) bei Marx eine ganz andere Bedeutung als im zwanzigsten Jahrhundert: er wird als Synonym f\u00fcr Bonapartismus oder C\u00e4sarismus verwendet, d.h. f\u00fcr ein autorit\u00e4res politisches Regime, das die Interessen der Bourgeoisie <em>im Allgemeinen<\/em> vertritt. Der Begriff Imperialismus wird bei Marx deshalb verwendet, weil er sich direkt auf das Regime des R\u00f6mischen Reiches (imperium) bezieht, in dem die Macht in der Person des Kaisers konzentriert ist, der sich gegen die kriegerischen Fraktionen der Patrizier durchsetzt. Im Marx\u2019schen Konzept des Imperialismus oder Bonapartismus wird die Macht des Parlaments und ganz allgemein der liberalen Institutionen der demokratischen Repr\u00e4sentation durch die Exekutive ersetzt, die Verwaltung des Staates wird vom Diktat der einzelnen Fraktionen der Bourgeoisie unabh\u00e4ngig gemacht, w\u00e4hrend der Anf\u00fchrer, in dessen Person die Staatsmacht konzentriert ist, versucht, die \u201eunteren Klassen\u201c durch Wohltaten und demagogische Parolen f\u00fcr sich zu gewinnen, die nat\u00fcrlich die kapitalistische Ausbeutung der Arbeit nicht im Geringsten ber\u00fchren (ein Ph\u00e4nomen, das in der modernen Terminologie als \u201ePopulismus\u201c bezeichnet wird). Auf diese Weise erscheint der Staat als eine neutrale Institution, die \u00fcber die Gesellschaft erhoben wird. Wie Marx in einer seiner Schriften \u00fcber die Pariser Kommune schreibt, ist der Imperialismus die h\u00f6chste Form der bourgeoisen Staatsmacht: wenn der Staat urspr\u00fcnglich von der Bourgeoisie f\u00fcr ihre Emanzipation vom Feudalismus eingesetzt wurde, nimmt der Staat in der voll entwickelten bourgeoisen Gesellschaft durch den Imperialismus\/Bonapartismus <em>den Charakter der nationalen Macht des gesellschaftlichen Gesamtkapitals \u00fcber die Arbeit an<\/em>, da er \u00fcber die Interessen des einen oder anderen Teils der Bourgeoisie erhoben wird.<\/p>\n<p>Im zwanzigsten Jahrhundert bekommt der Begriff \u201eImperialismus\u201c jedoch eine ganz andere Bedeutung. Das Hauptmerkmal dieses neuen Konzepts wurde erstmals von dem englischen liberal-sozialistischen \u00d6konomiewissenschaftler John Hobson in seinem 1902 erschienenen Hauptwerk <em>Der <\/em><em>Imperialismus<\/em> formuliert. Obwohl er kein Marxist war, kritisierte John Hobson das Say\u2019sche Gesetz, wonach \u201edas Angebot seine eigene Nachfrage schafft\u201c, scharf und wurde f\u00fcr seine Unterkonsumptionstheorie zur Erkl\u00e4rung der Weltwirtschaftskrise im sp\u00e4ten neunzehnten Jahrhundert bekannt. Seiner Theorie zufolge war die Unterkonsumtion auf die gro\u00dfe Ungleichheit der Einkommensverteilung zur\u00fcckzuf\u00fchren. Das begrenzte Einkommen der Vielen geht mit den \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Ersparnissen der wenigen Wohlhabenden einher, die stagnieren, da es schwierig wird, im Inland mit ausreichender Rentabilit\u00e4t zu investieren. Laut Hobson ist dies die treibende Kraft des Imperialismus, der in diesem Fall als die Suche nach neuen M\u00e4rkten und Investitionsm\u00f6glichkeiten durch koloniale Expansion definiert wird, um \u00fcbersch\u00fcssiges Kapital (A.d.\u00dc., \u00fcbersch\u00fcssig im Sinne des Mehrwerts) zu exportieren und so die Krise zu l\u00f6sen, die durch den zu geringen Konsum im eigenen Land entsteht. Hobson betrachtete den Imperialismus als ein unn\u00f6tiges und unmoralisches Element des Kapitalismus, von dem er sich befreien k\u00f6nnte. Er schlug insbesondere die Beseitigung des \u00fcbersch\u00fcssigen Kapitals durch die Umverteilung von Einkommen und die Verstaatlichung von Monopolen vor, d.h. durch die Reform des Kapitalismus, ohne dass dessen revolution\u00e4rer Umsturz erforderlich ist.<a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote1sym\"><sup>1<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Neben dem liberalen Sozialisten Hobson gaben eine Reihe von Marxisten wie Parvus, Kautsky, Hilferding, Rosa Luxemburg und Lenin dem Begriff des Imperialismus eine \u00e4hnliche Bedeutung, ohne dass sie alle direkt von Hobson beeinflusst waren (z. B. Parvus und Luxemburg). Der gemeinsame Inhalt, den sie alle dem Imperialismus zuschrieben, war der Versuch, einen Ausweg aus der Reproduktionskrise des Kapitals zu finden, indem sie auf neue M\u00e4rkte f\u00fcr den Export von Waren und Kapital expandierten \u2013 unabh\u00e4ngig davon, wie sie die Krise jeweils interpretierten (Krise der Unterkonsumtion im Fall von Luxemburg, Krise der \u00dcberproduktion im Fall von Parvus, Unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit zwischen den Sektoren der kapitalistischen Produktion im Fall von Hilferding und Lenin und so weiter).<\/p>\n<p>Das wichtigste und einflussreichste theoretische Werk, auf das sich mehr oder weniger alle oben genannten Marxisten st\u00fctzten, war Rudolf Hilferdings Buch <em>Das Finanzkapital<\/em>, das erstmals 1910 ver\u00f6ffentlicht wurde. In diesem Werk f\u00fchrt Hilferding, beeinflusst von Parvus und Hobson, das Konzept des Finanzkapitals als letzte \u201eStufe\u201c oder \u201ePhase\u201c, wie er es nennt, des Kapitalismus ein. Er schreibt:<\/p>\n<p><em>Das Finanzkapital bedeutet die Vereinheitlichung des Kapitals. Die fr\u00fcher getrennten Sph\u00e4ren des industriellen, kommerziellen und Bankkapitals sind jetzt unter die gemeinsame Leitung der hohen Finanz gestellt, zu der die Herren der Industrie und der Banken in inniger Personalunion vereint sind. Diese Vereinigung selbst hat zur Grundlage die Aufhebung der freien Konkurrenz des Einzelkapitalisten durch die gro\u00dfen monopolistischen Vereinigungen. Damit \u00e4ndert sich naturgem\u00e4\u00df auch das Verh\u00e4ltnis der Kapitalistenklasse zur Staatsmacht.[\u2026] Die Politik des Finanzkapitals verfolgt somit drei Ziele: erstens Herstellung eines m\u00f6glichst gro\u00dfen Wirtschaftsgebietes, das zweitens durch Schutzzollmauem gegen die ausl\u00e4ndische Konkurrenz abgeschlossen und damit drittens zum Exploitationsgebiet der nationalen monopolistischen Vereinigungen wird.<\/em><a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote2sym\"><sup>2<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Das Finanzkapital ist die Endstufe des Kapitalismus, und auf dieser Endstufe weist der Kapitalismus laut Hilferding folgende Merkmale auf<\/p>\n<p>\u2013 die Bildung von Trusts, Kartellen und allgemein monopolistischen Unternehmen (die die kapitalistische Konkurrenz abschaffen),<\/p>\n<p>\u2013 die Verschmelzung von Bank- und Industriekapital zum Finanzkapital,<\/p>\n<p>\u2013 die Abschaffung des Freihandels und seine Ersetzung durch Protektionismus zugunsten einheimischer Monopole<\/p>\n<p>\u2013 die Unterordnung des Staates unter die Monopole und das Finanzkapital,<\/p>\n<p>\u2013 <em>und die Entwicklung einer expansionistischen Politik der kolonialen Annexion und des Krieges, bei der die Staaten die Bewegung \u201eihres\u201c Kapitals unterst\u00fctzen. Der Wettbewerb zwischen den einzelnen Kapitalien wird in eine geopolitische Rivalit\u00e4t zwischen den Nationalstaaten umgewandelt, die sich nach der Macht der einzelnen Staaten richtet.<\/em><a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote3sym\"><sup>3<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Hilferding hat diese kapitalistische Phase sp\u00e4ter als \u201eorganisierten Kapitalismus\u201c bezeichnet. Es besteht eine Affinit\u00e4t zu Marx\u2018 Begriff des Imperialismus\/Bonapartismus in dem Sinne, dass, wie Hilferding hervorhebt:<\/p>\n<p><em>\u00d6konomische Macht bedeutet auch politische Macht. Die Beherrschung der \u00d6konomie f\u00fchrt zur Kontrolle \u00fcber die Instrumente der Staatsmacht. Je gr\u00f6\u00dfer der Konzentrationsgrad in der \u00f6konomischen Sph\u00e4re ist, desto uneingeschr\u00e4nkter ist die Kontrolle des Staates. Die rigorose Konzentration aller Instrumente der Staatsmacht nimmt die Form eines extremen Einsatzes der Staatsmacht an, die zum unbesiegbaren Instrument zur Aufrechterhaltung der \u00f6konomischen Herrschaft wird.<\/em><a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote4sym\"><sup>4<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Doch das ist eindeutig ein kolossaler Irrtum: die Tatsache, dass der Staat den Charakter der nationalen Macht des sozialen Gesamtkapitals \u00fcber die Arbeit annimmt und sich \u00fcber die Interessen der einzelnen Teile der Bourgeoisie erhebt, ist keineswegs zwangsl\u00e4ufig identisch mit der Abschaffung der Konkurrenz und der vollst\u00e4ndigen Verschmelzung von Staat und Monopolen, noch mit der Konzentration der Macht in den H\u00e4nden der sogenannten \u201ekapitalistischen Oligarchen\u201c (deren Diktatur somit durch die Diktatur der Parteif\u00fchrer \u00fcber das Proletariat ersetzt werden kann).<\/p>\n<p>Im Wesentlichen \u00fcbernimmt Lenin diese Position Hilferdings in seinem Werk <em>Der Imperialismus als h\u00f6chstes Stadium des Kapitalismus<\/em> vollst\u00e4ndig und entwickelt sie weiter. Kurz gesagt lautet seine Definition wie folgt:<\/p>\n<p><em>Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die gr\u00f6\u00dften kapitalistischen L\u00e4nder abgeschlossen ist.<\/em><a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote5sym\"><sup>5<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Lenin zufolge ist der Imperialismus ein verfallender Kapitalismus, da jedes Monopol unter den Bedingungen des Privateigentums an den Produktionsmitteln zum Verfall neigt. Au\u00dferdem ist der Imperialismus bereits ein sterbender Kapitalismus, weil die Monopolisierung aufgrund der Zentralisierung eine Nekrose der Konkurrenz und damit keine weitere Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte bedeutet. Die Produktion wird in einem solchen Ausma\u00df vergesellschaftet, dass sie dem Privateigentum an den Produktionsmitteln widerspricht. Laut Lenin ist damit der Weg zur Revolution frei. Die Revolution entsteht jedoch nicht automatisch, sondern erfordert die bewusste, organisierte revolution\u00e4re Aktion der Arbeiterklasse, nat\u00fcrlich unter der F\u00fchrung der Partei.<\/p>\n<p>Lenin argumentierte, dass der Imperialismus notwendigerweise das Endstadium des Kapitalismus ist und dass dieses Stadium bereits seit Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts im Gange war. Doch anscheinend hat er sich gewaltig geirrt, denn ein Jahrhundert sp\u00e4ter gibt es zwar immer noch globale Monopole, aber das hat die Reproduktion einer unendlichen Zahl kleinerer Kapitale nicht verhindert, die jeden Tag Millionen von Proletariern ausbeuten. Abgesehen davon, dass die leninistische Imperialismustheorie eine Vorstellung von Revolution als \u00dcbertragung der Kontrolle \u00fcber die monopolistische Produktion aus den H\u00e4nden der Kapitalisten in die H\u00e4nde der Parteif\u00fchrer verankerte, bildete sie auch die ideologische Grundlage f\u00fcr die Legitimation der Unterst\u00fctzung linker Parteien f\u00fcr kleine und mittlere Kapitalien gegen Monopole und Banken, eine langj\u00e4hrige Position sowohl der Kommunistischen Partei Griechenlands als auch der breiteren griechischen und internationalen Linken, die nat\u00fcrlich keineswegs gegen das Kapital als gesellschaftliches Verh\u00e4ltnis und gegen Lohnarbeit ist.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem argumentierte Lenin, dass der Kapitalismus auf der Stufe des Imperialismus parasit\u00e4r wird, da<\/p>\n<p><em>die Ausbeutung der unterdr\u00fcckten Nationen, die untrennbar mit Annexionen verbunden ist, und insbesondere die Ausbeutung der Kolonien durch ein H\u00e4uflein von \u201eGro\u00df\u201cm\u00e4chten die \u201ezivilisierte\u201c Welt immer mehr in einen Schmarotzer am K\u00f6rper der nichtzivilisierten V\u00f6lker, die viele hundert Millionen Menschen z\u00e4hlen. Der r\u00f6mische Proletarier lebte auf Kosten der Gesellschaft. Die heutige Gesellschaft lebt auf Kosten des modernen Proletariers.<\/em><a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote6sym\"><sup>6<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Das unmittelbare Ziel in der imperialistischen Phase ist also die Ausbeutung der schwachen L\u00e4nder. Dies wird durch imperialistische Eroberungen verwirklicht, die eine ungleiche internationale \u00f6konomische Realit\u00e4t schaffen, in der die imperialistischen Staaten eine dominante Position und die den Imperialisten untergeordneten Staaten und Menschen eine untergeordnete Position einnehmen.<\/p>\n<p>Die Hauptannahme der leninistischen Imperialismustheorie ist daher, dass die Unterentwicklung und das Leiden der Menschen in der Peripherie durch die Abh\u00e4ngigkeit der L\u00e4nder in der Peripherie von den L\u00e4ndern in der Metropole verursacht wird. Dies wird durch die \u201eAuspl\u00fcnderung\u201c der Peripherie und durch die \u201eOperation\u201c des ausl\u00e4ndischen Kapitals, das das einheimische Kapital beherrscht, erreicht.<\/p>\n<p>Abgesehen davon, dass die \u201eParasitismus\u201c-These eindeutig konterrevolution\u00e4r ist, da sie die Proletarier der entwickelten kapitalistischen L\u00e4nder als Ausbeuter der Proletarier der weniger entwickelten kapitalistischen L\u00e4nder darstellt, ist sie auch falsch. Aufgrund der hohen Produktivit\u00e4t der Arbeit in den entwickelten kapitalistischen L\u00e4ndern ist der Grad der Ausbeutung der Arbeiter in diesen L\u00e4ndern viel h\u00f6her als der der Arbeiter in den weniger entwickelten kapitalistischen L\u00e4ndern. Au\u00dferdem f\u00fchrt eine solche Position zum Schmarotzertum zur Unterst\u00fctzung nationaler Befreiungsbewegungen, d.h. zur St\u00e4rkung des Nationalismus und letztlich zur Unterst\u00fctzung der Errichtung und Entwicklung kapitalistischer Verh\u00e4ltnisse in den \u201eunterentwickelten\u201c L\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Ein Ereignis von entscheidender Bedeutung f\u00fcr die Verbreitung der antiimperialistischen Politik und den Verlauf der nationalen Befreiungs- und antikolonialen Bewegungen war der 6. Kongress der Komintern im Jahr 1928, der die Position vertrat, dass der Imperialismus ein Hindernis f\u00fcr die industrielle Entwicklung der Kolonien sei. Bis dahin hatten viele Kommunisten an der \u00e4lteren, marxistischen Position festgehalten, die davon ausging, dass der Kolonialismus auf lange Sicht zur Industrialisierung f\u00fchren w\u00fcrde, die wiederum als notwendige Voraussetzung f\u00fcr die allgemeine menschliche Emanzipation angesehen wurde. Die Position der Komintern spiegelt einen zentralen Widerspruch der marxistischen Theorie und Dialektik wider, n\u00e4mlich die Dialektik zwischen Kapitalismus (und seiner wichtigsten zeitgen\u00f6ssischen politischen Form, dem Nation-Staat) und Emanzipation. Einerseits wurde die marxistische Auffassung von der Fortschrittlichkeit des Kapitalismus nachdr\u00fccklich bekr\u00e4ftigt, indem die intensive und schnelle Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise unter dem Pseudonym \u201eSozialismus\u201c gef\u00f6rdert wurde, w\u00e4hrend andererseits die globale Expansion des Kapitalismus unter dem Namen \u201eImperialismus\u201c daf\u00fcr verantwortlich gemacht wurde, dass der Modernisierungsprozess in den Kolonien, der schlie\u00dflich zur allgemeinen menschlichen Emanzipation f\u00fchren sollte, verz\u00f6gert und blockiert wurde. Durch einen Bruch mit dieser Dialektik wird die gute Seite des Kapitalismus, die Entwicklung und damit die M\u00f6glichkeit der Emanzipation mit sich bringt \u2013 und die von einem sozialistischen, d.h. staatskapitalistischen Regime durchgef\u00fchrt wird, das irgendwann kommunistisch wird \u2013 von seiner b\u00f6sen, zerst\u00f6rerischen und ausbeuterischen Seite getrennt, die bek\u00e4mpft werden muss und die den Namen \u201eImperialismus\u201c erh\u00e4lt. Letzterer (der sich ungleich entwickelnde Kapitalismus) muss von den nationalen Befreiungsbewegungen bek\u00e4mpft werden, die im Laufe des Prozesses moderne Nation-Staaten gr\u00fcnden werden und die die nat\u00fcrliche Umgebung f\u00fcr die Entwicklung des Kapitalismus in seiner fortschrittlichen Form sind. Diese Auffassung spiegelt die Marxsche Dialektik zwischen Kapitalismus und Fortschritt sowohl wider als auch missdeutet sie und beraubt sie ihres dialektischen Charakters: die Position von Marx, dass die Arbeiterbewegung den sich gegenw\u00e4rtig entwickelnden widerspr\u00fcchlichen historischen Prozess der kapitalistischen Entwicklung ausnutzen muss, ist weit entfernt von der bolschewistischen Position, dass dieser Prozess der kapitalistischen Entwicklung von der proletarischen Bewegung durch die politische Revolution und die Diktatur der Partei organisiert und gef\u00f6rdert werden muss.<a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote7sym\"><sup>7<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Nach den so genannten \u201emarxistisch-leninistischen\u201c Theorien des Imperialismus und des staatsmonopolistischen Kapitalismus verschmelzen die gro\u00dfen Monopolunternehmen mit dem Staat, was zur Bildung einer \u201eeinzigen, landesweiten kapitalistischen \u00d6konomie\u201c f\u00fchrt. Da die monopolistische Produktionsform den Zwang f\u00fcr die einzelnen Kapitalisten aufhebt, ihren Profit durch die Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte der Arbeit zu steigern, kann es den Staatsmonopolen auf dem Weltmarkt nur noch um den Kampf um politisch gesicherte Produktionssph\u00e4ren und um die Realisierung monopolistischer \u00dcbersch\u00fcsse gehen. Die Stagnation der monopolistischen Phase des Kapitalismus erzwingt eine Art Antagonismus auf dem Weltmarkt, der die Form eines Krieges annimmt und dessen Inhalt die \u201eAufteilung der Welt unter den Gro\u00dfm\u00e4chten\u201c ist<a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote8sym\"><sup>8<\/sup><\/a>.<\/p>\n<p>Der Staat, jeder Staat, egal wie klein oder gro\u00df, hat jedoch als strukturelles Merkmal die Tendenz, sich r\u00e4umlich und\/oder \u00f6konomisch auszudehnen. Dies ist die grundlegende Komponente des Nationalismus, die seit Beginn der \u00c4ra der Nation-Staaten zu finden ist und keine besondere Eigenschaft des Staates in der Phase des Imperialismus ist, wie es unterstellt wird. Au\u00dferdem musste der Kapitalismus kein \u201ebesonderes\u201c, \u201efortgeschrittenes\u201c oder \u201eultimatives\u201c Stadium erreichen, um mit der \u201eAufteilung der Welt\u201c zu beginnen \u2013 und hier beziehen wir uns auf innerstaatliche Rivalit\u00e4ten und nicht auf eine angebliche Verschw\u00f6rung zur Aufhebung der kapitalistischen Konkurrenz. Im Gegenteil, der Kampf um die \u201eAufteilung der Welt\u201c hat nichts spezifisch Kapitalistisches an sich; er war der Inhalt des Konflikts der K\u00f6nigreiche und Imperien vor dem Aufstieg des Kapitalismus und setzte sich auch w\u00e4hrend seines Aufstiegs fort, sogar w\u00e4hrend der so genannten \u201eFreihandels\u201c-Periode, die der so genannten \u201eimperialistischen Phase\u201c vorausging, als das britische Empire die Vorherrschaft innehatte.<\/p>\n<p>Die vollst\u00e4ndige oder teilweise \u00dcbernahme leninistischer Positionen zum Imperialismus f\u00fchrt zwangsl\u00e4ufig zu problematischen und irref\u00fchrenden Auffassungen:<\/p>\n<p>1. Eine der treibenden Kr\u00e4fte der kapitalistischen Produktionsweise ist der Wettbewerb zwischen den Kapitalisten in ihrem Streben nach maximalem Profit (die andere ist der Klassenkampf). Monopole existieren, und f\u00fcr Marx entstehen sie sowohl \u201enat\u00fcrlich\u201c innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise, insofern der Prozess der erweiterten Reproduktion des Kapitals ein Prozess der Konzentration und Zentralisierung des Kapitals ist, als auch \u201ek\u00fcnstlich\u201c, z. B. im Fall des Eigentums an Ressourcen, die dadurch monopolisiert werden (und die von technologischen Patenten bis zum Eigentum an ertragreichen Landparzellen reichen k\u00f6nnen). F\u00fcr Marx bedeutet dies jedoch keineswegs die Abschaffung des Wettbewerbs und damit auch des \u201eWertgesetzes\u201c. Die Angleichung der Profitrate zwischen den Unternehmen ist nicht als Herstellung eines stabilen Gleichgewichts zu verstehen, bei dem alle Unternehmen die gleiche Profitrate erzielen, sondern als eine Situation st\u00e4ndiger Kapitalbewegung, bei der sowohl innerhalb derselben Branche als auch zwischen verschiedenen Branchen unterschiedliche Profitraten erzielt werden, wobei die durchschnittliche Profitrate lediglich ein \u201eGravitationszentrum\u201c ist, um das sich die verschiedenen Raten bewegen.<a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote9sym\"><sup>9<\/sup><\/a> Indem er im dritten Band des <em>Kapitals<\/em> zeigt, dass die Praktiken der Preisfestsetzung (ebenso wie die variablen \u00dcberkapazit\u00e4ten) mit dem Wertgesetz vereinbar sind, weist Marx darauf hin, dass im kapitalistischen System die Arbeitsproduktivit\u00e4t und die Ausbeutungsrate den Prozess der Kapitalakkumulation letztlich regeln. Das Monopol kann nur als eine besondere Erscheinungsform der Konkurrenz verstanden werden. Es kann sich der Konkurrenz nicht entziehen, weil die Ziele jedes Kapitals \u2013 die Erzielung eines m\u00f6glichst hohen Profits \u2013 mit den Zielen jedes anderen Kapitals in Konflikt stehen, weil die Masse des Mehrwerts des Gesamtkapitals quantitativ begrenzt ist, ebenso wie die Grundlagen der Mehrwertproduktion in Form von Gebrauchswert (Masse der Arbeitskraft, Dauer des Arbeitstags, Intensit\u00e4t der Arbeit, Produktivkraft der Arbeit) begrenzt sind. Monopolgewinne k\u00f6nnen nicht absolut sein. Sie k\u00f6nnen auch nicht dauerhaft sein, da dies bedeuten w\u00fcrde, dass der Wettbewerb des Kapitals um h\u00f6here Renditen (Kapitalbewegungen zwischen verschiedenen Sektoren aufgrund von Unterschieden in den Profitraten) ausgeschaltet w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Im Gegenteil, Hilferding und Lenin, die Monopole als Aufhebung des Wettbewerbs betrachteten, \u00fcbernehmen sogar das vulg\u00e4r\u00f6konomische Konzept der \u201evollkommenen Konkurrenz\u201c, dem der \u201eMonopolmarkt\u201c entgegengesetzt wird.<\/p>\n<p>2. Da das Kapital ein gesellschaftliches Verh\u00e4ltnis ist, ist die Vorstellung seines \u201eExports\u201c von den starken in die schwachen L\u00e4nder eine gewaltige Verzerrung, die zu Ideologien \u00fcber \u201eImperien\u201c, \u201etransnationale Machtzentren\u201c usw. f\u00fchrt, die den Klassengegner verdunkeln und mystifizieren und letztlich die Entfaltung des Klassenkampfes des Proletariats gegen die vor allem inl\u00e4ndischen kapitalistischen Bosse verhindern. Da die einzelnen Kapitalisten, die Grenzen \u00fcberschreiten, ihre Nationalit\u00e4t beibehalten, wird ihr Wettbewerb mit den einheimischen Kapitalisten durch den Klassenkampf ersetzt oder sogar mit diesem gleichgesetzt, der so paradoxerweise in einen Kampf zwischen Nationen verwandelt wird, der von nationalen Subjekten zwischen den Klassen gef\u00fchrt wird. Es entsteht der Irrglaube, dass die Arbeiterklasse und die Bourgeoisie eines Landes gemeinsam ihre Pendants in anderen L\u00e4ndern ausbeuten. Michael Heinrich schreibt zu diesem Thema Folgendes \u201e[D]ie Charakterisierung des Imperialismus als \u201aparasit\u00e4r\u2018 ist nicht nur wegen des moralischen Untertons problematisch, sondern auch, weil nicht ohne weiteres ersichtlich ist, warum die Ausbeutung einer ausl\u00e4ndischen Arbeiterklasse schlimmer sein sollte als die Ausbeutung der einheimischen Arbeiterklasse. Was Lenin als Fortf\u00fchrung der Marx\u2019schen Analyse beabsichtigte, hat letztlich fast nichts mit der Marx\u2019schen Kritik der politischen \u00d6konomie zu tun. \u201e<a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote10sym\"><sup>10<\/sup><\/a><\/p>\n<p><strong>Die Dependenztheorie<\/strong><\/p>\n<p>Eine Weiterentwicklung der Imperialismustheorie von Hilferding und Lenin war die so genannte \u201eDependenztheorie\u201c, die in den 1960er und 1970er Jahren von einer Reihe von Theoretikern wie Samir Amin und Andre Gunder Frank formuliert wurde. Diese Theorie f\u00fchrte das Konzept ein, die \u00d6konomie der Welt je nach dem Stand der kapitalistischen Entwicklung in drei Zonen zu unterteilen: Zentrum, Halbperipherie, Peripherie.<\/p>\n<p>Nach der Dependenztheorie wird der Mehrwert von den L\u00e4ndern der Peripherie in die L\u00e4nder des Zentrums transferiert. Die L\u00e4nder der Peripherie werden in einem permanenten Zustand der Unterentwicklung gehalten, um die Interessen des Monopolkapitals aus den L\u00e4ndern des Zentrums zu bedienen. Dies erm\u00f6glicht es dem ausl\u00e4ndischen Monopolkapital, die Peripherie ohne Konkurrenz durch das einheimische Kapital auszubeuten.<\/p>\n<p>Auf diese Weise wird das (nicht-marxistische) Konzept der Ausbeutung der L\u00e4nder in der Peripherie durch die L\u00e4nder im Zentrum eingef\u00fchrt. Die Dependenztheorie f\u00fchrt nicht nur zu einer neuen Kategorisierung der Staaten, sondern auch zu einer neuen Kategorisierung der sozialen Klassen in jedem Land.<\/p>\n<p>So werden sowohl die Arbeiterklasse als auch die Bourgeoisie des Zentrums von der Arbeiterklasse und der Bourgeoisie der Peripherie unterschieden. Nach der Dependenztheorie kann sich die Arbeiterklasse der Peripherie mit der entsprechenden Bourgeoisie in einer gemeinsamen antiimperialistischen Front verb\u00fcnden, genauso wie sich die Arbeiterklasse des Zentrums mit der entsprechenden Bourgeoisie zugunsten der imperialistischen Politik des Staates verb\u00fcnden kann, dem sie angeh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Der Fehler der Dependenztheorie ist, dass sie eine instrumentalistische Theorie des Staates impliziert. Der Staat wird als eine von den kapitalistischen Gesellschaftsverh\u00e4ltnissen unabh\u00e4ngige politische Einheit dargestellt, die entweder vom Monopolkapital genutzt werden kann, um seinen Partikularinteressen zu dienen, oder von einem Klassenb\u00fcndnis aus Arbeitern und Kapitalisten in den L\u00e4ndern der Peripherie, das die Entwicklungspolitik vorantreibt und damit den Sozialismus n\u00e4her bringt. Abgesehen von einer instrumentalistischen Theorie des Staates impliziert die Dependenztheorie also die Annahme der Stufentheorie zum Kommunismus. Unserer Ansicht nach ist der Staat die politische Form der kapitalistischen sozialen Beziehungen: ein kapitalistischer Staat. In diesem Sinne dient jeder Staat der Reproduktion der kapitalistischen sozialen Beziehungen in ihrer Gesamtheit. Das bedeutet nat\u00fcrlich nicht, dass jede Nation-Staat der Reproduktion des globalen Kapitals im Allgemeinen dient. Staaten stehen in Konkurrenz (aber auch in Kooperation) zueinander, um globales Kapital innerhalb ihrer nationalen Grenzen anzuziehen und so ihren Anteil am globalen Mehrwert zu erhalten und auszubauen. Dabei geht es sowohl um die Schaffung der Bedingungen f\u00fcr die erweiterte Reproduktion des Kapitals innerhalb der Staatsgrenzen als auch um die St\u00e4rkung der auf der Ausbeutung der Arbeit basierenden Akkumulation innerhalb der Grenzen anderer Nationen-Staaten. Nat\u00fcrlich haben nicht alle Staaten die gleichen Wahlm\u00f6glichkeiten, was die Akkumulationsstrategien angeht, die sie anwenden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Historische Gr\u00fcnde und der Erfolg oder Misserfolg der Akkumulationsstrategie eines jeden Staates spiegeln sich in der ungleichen Entwicklung und der Bildung einer sich st\u00e4ndig ver\u00e4ndernden Hierarchie kapitalistischer Staaten wider: der Bildung eines kapitalistischen \u201eZentrums\u201c und einer kapitalistischen \u201ePeripherie\u201c.<a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote11sym\"><sup>11<\/sup><\/a> In diesem Sinne ist jeder Staat imperialistisch, denn das Wesen des Imperialismus ist nicht das Monopolkapital, sondern der Wettbewerbsprozess der Reproduktion des Gesamtkapitals. Abgesehen davon, dass sie falsch ist, f\u00fchrt die Dependenztheorie politisch zur Klassenvers\u00f6hnung und zur Vertiefung der nationalen Spaltungen innerhalb des globalen Proletariats.<a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote12sym\"><sup>12<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Wenn wir die Konzepte der \u201eDependenztheorie\u201c akzeptieren, haben wir Schwierigkeiten, die Realit\u00e4t zu verstehen. Wir m\u00fcssten zum Beispiel akzeptieren, dass der Zerfall Jugoslawiens ausschlie\u00dflich auf den Einfluss ausl\u00e4ndischer M\u00e4chte zur\u00fcckzuf\u00fchren ist und nicht auf die Konfliktdynamik zwischen konkurrierenden Nationalismen und Kapitalisten in den einzelnen F\u00f6deralstaaten. Wir m\u00fcssten akzeptieren, dass alle Kriege, die ausbrechen, zwischen Marionettenstaaten stattfinden, hinter denen immer Gro\u00dfm\u00e4chte und deren Interessen stehen. Dass die Revolten in den Entwicklungsl\u00e4ndern angezettelt werden, ohne dass die Arbeiter, die Einwohner, die herrschenden Klassen der jeweiligen L\u00e4nder eine Rolle spielen. Der Klassenkampf verschwindet.<\/p>\n<p>Der widerspr\u00fcchliche Charakter dieser Theorie wird auch deutlich, wenn man die Bem\u00fchungen schwacher L\u00e4nder untersucht, transnationalen \u00f6konomischen Organisationen wie der EU, der Welthandelsorganisation usw. beizutreten, untersucht. Die offensichtliche Schlussfolgerung ist, dass diese Organisationen nicht nur existieren, um den Interessen des Kapitals m\u00e4chtiger Staaten zu dienen. Ihr Zweck ist das Interesse des Kapitals im Allgemeinen, d. h. das Interesse jeder herrschenden Klasse, ob albanisch oder deutsch, an der Ausbeutung der Arbeiterklasse. Der Reichtum und die Akkumulation des Kapitals entstehen durch die Ausbeutung der Arbeit und nicht in erster Linie durch die Auspl\u00fcnderung schwacher L\u00e4nder.<a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote13sym\"><sup>13<\/sup><\/a><\/p>\n<p><strong>Antiimperialismus<\/strong><\/p>\n<p>Theorien \u00fcber den Imperialismus haben einen zentralen Platz in den Analysen eines gro\u00dfen Teils der Klassenbewegung eingenommen. Da der Imperialismus die h\u00f6chste Stufe des Kapitalismus ist, musste auch der antikapitalistische Kampf in einen antiimperialistischen umgewandelt werden, der allm\u00e4hlich zu einer zentralen Ideologie (im Sinne von falschem Bewusstsein) wurde.<\/p>\n<p>Anstatt die Klassengegens\u00e4tze innerhalb der Gesellschaften aufzudecken, wird die Nation gegen die b\u00f6sen Imperialisten aufgehetzt. In der Regel beschr\u00e4nkt sich die antiimperialistische Politik darauf, das Gro\u00dfkapital oder die multinationalen Konzerne der gro\u00dfen kapitalistischen L\u00e4nder zu bek\u00e4mpfen und den einheimischen kleinen oder gro\u00dfen Bossen, die sie als Au\u00dfenseiter einstuft, ein Alibi zu geben:<\/p>\n<p><em>Das Problem ist also nicht mehr, dass der Kapitalismus jeden noch so entlegenen Winkel des Planeten erreicht und jeden Bereich menschlicher Aktivit\u00e4ten erstickt hat, indem er alles, was er ber\u00fchrt, in eine Ware verwandelt. Das Problem f\u00fcr Antiimperialisten ist, dass die kapitalistische Expansion ungleichm\u00e4\u00dfig und asymmetrisch verl\u00e4uft, dass sich der Kapitalismus in einigen m\u00e4chtigen Staaten etabliert hat, w\u00e4hrend er in anderen \u2013 den abh\u00e4ngigen \u2013 erdrosselt wird und sich nicht ausreichend entwickeln kann. Wir k\u00f6nnen nur erstaunt ausrufen: Na und? Gibt es in den \u201eabh\u00e4ngigen\u201c L\u00e4ndern nicht immer noch Waren und Lohnarbeit; ist es dort nicht genauso wie in den \u201eimperialistischen M\u00e4chten\u201c so, dass die einen die Produktionsmittel besitzen und die anderen nur ihre eigene Arbeitskraft zu verkaufen haben, dass die einen befehlen und die anderen gehorchen m\u00fcssen? Herrschen dort nicht dieselben Ausbeutungsverh\u00e4ltnisse, m\u00f6glicherweise sogar in einer noch h\u00e4rteren Form? Herrscht nicht derselbe Warenfetischismus, wie er auch in den entwickelten L\u00e4ndern vorherrscht? Oder haben die Menschen dort die Kontrolle \u00fcber ihr Leben gewonnen und niemand hat sich die M\u00fche gemacht, uns dar\u00fcber zu informieren?<\/em><a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote14sym\"><sup>14<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die Opposition gegen den Antiimperialismus l\u00e4uft parallel zur Opposition gegen den Nationalismus, denn die antiimperialistische Ideologie fungiert als Mittel, um die nationale Ideologie in die radikalen Bewegungen einzuschreiben, die die Emanzipation der Menschen von allen Arten der Unterdr\u00fcckung fordern. Die antiimperialistischen und nationalen Befreiungsbewegungen sind die wichtigsten Mechanismen, um die Forderungen und Bestrebungen nach sozialem Wandel, Freiheit, Emanzipation und Kommunismus dem Kapital und seinem Staat unterzuordnen und sie folglich durch ihre Entfremdung und ihre Umwandlung in Bewegungen, die Rechte gegen\u00fcber dem kapitalistischen Staat und alle Arten von Identit\u00e4tspolitik einfordern, zu neutralisieren und effektiv zu beseitigen.<a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote15sym\"><sup>15<\/sup><\/a><\/p>\n<p><strong>Kapitalistischer Krieg bedeutet sozialer Frieden<\/strong><\/p>\n<p>\u201eJetzt stehen wir vor der ehernen Tatsache des Krieges. Uns drohen die Schrecken feindlicher Invasionen. Nicht f\u00fcr oder gegen den Krieg haben wir heute zu entscheiden, sondern \u00fcber die Frage der f\u00fcr die Verteidigung des Landes erforderlichen Mittel \u2026 F\u00fcr unser Volk und seine freiheitliche Zukunft steht bei einem Sieg des russischen Despotismus, der sich mit dem Blute der Besten des eigenen Volkes befleckt hat, viel, wenn nicht alles auf dem Spiel. Es gilt, diese Gefahr abzuwehren, die Kultur und die Unabh\u00e4ngigkeit unseres eigenen Landes sicherzustellen. Da machen wir wahr, was wir immer betont haben: Wir lassen in der Stunde der Gefahr das eigene Vaterland nicht im Stich. Wir f\u00fchlen uns dabei im Einklang mit der Internationale, die das Recht jedes Volkes auf nationale Selbst\u00e4ndigkeit und Selbstverteidigung jederzeit anerkannt hat, wie wir auch in \u00dcbereinstimmung mit ihr jeden Eroberungskrieg verurteilen \u2026 Von diesen Grunds\u00e4tzen geleitet, bewilligen wir die geforderten Kriegskredite.\u201c<a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote16sym\"><sup>16<\/sup><\/a> Und so schickte die Sozialdemokratische Partei Deutschlands das deutsche Proletariat 1914 in das Massaker des Ersten Weltkriegs.<\/p>\n<p>Wenige Tage zuvor ermordet ein franz\u00f6sischer Nationalist Jean Jaur\u00e8s, einen pazifistischen, antimilitaristischen Anf\u00fchrer der Sozialistischen Partei Frankreichs, der versuchte, einen deutsch-franz\u00f6sischen Generalstreik gegen den kommenden Krieg und einen franz\u00f6sischen Generalstreik f\u00fcr den Fall einer Kriegserkl\u00e4rung Frankreichs zu organisieren. In der Trauerrede des Anf\u00fchrers der Conf\u00e9d\u00e9ration g\u00e9n\u00e9rale du travail (CGT) (A.d.\u00dc., Allgemeinen Gewerkschaftsbundes), L\u00e9on Jouhaux, der gegen die Erkl\u00e4rung eines Streiks und f\u00fcr die Teilnahme am Krieg war, sagte er unter anderem: \u201eVor diesem Sarg schreie ich unseren Hass auf den Imperialismus und den groben Militarismus heraus, die dieses schreckliche Verbrechen provoziert haben\u2026 Alle Werkt\u00e4tigen\u2026 wir ziehen mit der Entschlossenheit ins Feld, den Aggressor zur\u00fcckzudr\u00e4ngen. \u201e<a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote17sym\"><sup>17<\/sup><\/a> Da Jaur\u00e8s und der Einfluss, den er inmitten eines nationalistischen Aufruhrs h\u00e4tte aus\u00fcben k\u00f6nnen, verschwunden waren, beschlossen die Sozialisten im Parlament, alle Aktivit\u00e4ten einzustellen, die die nationale Kriegsmaschinerie sabotieren k\u00f6nnten, und schickten das franz\u00f6sische Proletariat mit ihrem Segen in das Gemetzel des Ersten Weltkriegs.<\/p>\n<p>Interessant ist, dass sowohl in Deutschland als auch in Frankreich die Anf\u00fchrer der organisierten Arbeiterklasse die \u201eInvasion\u201c beschworen, um vor der Bourgeoisie ihres Landes zu kapitulieren. Denselben Appell richtet die Bourgeoisie aber auch immer dann, wenn sie im Rahmen eines milit\u00e4rischen Konflikts die nationale Einheit erzwingen will. Der nationale Krieg wird immer als Verteidigungsma\u00dfnahme gegen die Invasoren dargestellt, egal welche Form sie annehmen. Und f\u00fcr einen siegreichen Krieg <em>muss der soziale Frieden <\/em><em>herrschen<\/em>.<\/p>\n<p>In Deutschland hie\u00df dieser Pakt der Klassenzusammenarbeit w\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs <em>Burgfrieden<\/em>, w\u00e4hrend er in Frankreich <em>Union Sacr\u00e9e<\/em> genannt wurde. In beiden F\u00e4llen erkl\u00e4rten die Gewerkschaften\/Syndikate und die sozialdemokratischen Parteien einen Waffenstillstand zur Verteidigung des Vaterlandes und verpflichteten sich, bis zum Ende des Krieges keine Arbeitsk\u00e4mpfe zu f\u00fchren und keine Forderungen der Arbeiterklasse zu stellen. Dies ging nat\u00fcrlich mit dem Kriegsrecht und einer strengen Zensur einher, denn jede Kritik an der Regierung, dem Krieg oder dem Pakt der Klassenkollaboration selbst wurde unter Androhung von Waffengewalt strengstens untersagt. In diesem Zusammenhang wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von 1916 bis zum Ende des Krieges inhaftiert.<\/p>\n<p><em>Propagandakarte f\u00fcr die Union Sacr\u00e9e in Frankreich.<\/em><\/p>\n<p>Den gleichen Weg der Klassenkollaboration beschritten die meisten sozialdemokratischen Parteien und Gewerkschaften\/Syndikate der am Krieg beteiligten L\u00e4nder. Ausnahmen waren die Bolschewiki, die Sozialistische Partei Italiens<a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote18sym\"><sup>18<\/sup><\/a>, die Sozialistische Partei Serbiens, die Sozialistische Partei Bulgariens, die Sozialistische Partei der USA, die von Luxemburg, Liebknecht, Clara Zetkin und Franz Mering gegr\u00fcndete Internationale Gruppe und die multiethnische Arbeiterorganisation Federaci\u00f3n de Thessaloniki. Zu dieser Zeit gab es in Griechenland noch keine sozialistische Partei. Die Sozialistische Arbeiterpartei Griechenlands wurde 1918 gegr\u00fcndet und 1924 in Kommunistische Partei Griechenlands umbenannt. Sie war seit 1911 der osmanische Teil der Zweiten Internationale und vertrat bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs eine internationalistische, kriegsgegnerische Position.<\/p>\n<p>In jedem Fall brach die Zweite Internationale zusammen. Das bedeutete, dass Millionen von Proletariern von ihren eigenen Organisationen, die eigentlich ihre Klasseninteressen vertreten sollten, dazu gedr\u00e4ngt wurden, zur Beute f\u00fcr die Kanonen der Kapitalisten zu werden: 10 Millionen tote Soldaten und 20 Millionen Verwundete, von denen die H\u00e4lfte lebenslang verkr\u00fcppelt war; 10 Millionen Zivilisten, die durch Bombardierungen, Hunger und Krankheiten starben. Ein riesiges Schlachthaus von Menschen\u2026<\/p>\n<p>Offensichtlich war die Zweite Internationale keine einheitliche Organisation. Es gab einen rechten Fl\u00fcgel mit Vertretern wie Ebert (der sp\u00e4ter Bundespr\u00e4sident wurde, als Luxemburg und Liebknecht ermordet wurden), die Mitte mit Reformisten wie Kautsky und den revolution\u00e4ren linken Fl\u00fcgel mit f\u00fchrenden Pers\u00f6nlichkeiten wie Luxemburg und Lenin. Nur diese linke Tendenz bewahrte den proletarischen Internationalismus, der die gesamte Zweite Internationale inspirieren sollte. Alle anderen schlossen sich dem Kampf an der Seite der Bosse an, um jede proletarische Bindung zu brechen, die die imperialistischen Pl\u00e4ne der Bourgeoisie gef\u00e4hrden k\u00f6nnte (getarnt als \u201edefensive Haltung\u201c). Nat\u00fcrlich k\u00f6nnte man sagen, dass dies f\u00fcr sie nicht unerwartet war. Klassenkollaboration war wahrscheinlich ohnehin Teil ihres reformistischen Programms.<\/p>\n<p>Aber abgesehen davon gab es in der Zweiten Internationale selbst eine Position, die fr\u00fcher oder sp\u00e4ter jeden Anspruch auf proletarischen Internationalismus torpedieren w\u00fcrde. Wie wir oben in dem Zitat der deutschen Sozialdemokraten gesehen haben, argumentierte der Teil der Internationale, der in den kapitalistischen Krieg eingetreten war, dass er gegen keines der Prinzipien der Internationale versto\u00dfe, da er das Recht der V\u00f6lker auf nationale Unabh\u00e4ngigkeit und Selbstverteidigung verteidige. Daher das st\u00e4ndige Gerede von der \u201eInvasion\u201c, sogar von den Deutschen, obwohl es Deutschland war, das formell in Frankreich einmarschiert war.<\/p>\n<p>Schon seit Ende des 19. Jahrhunderts unterst\u00fctzte die organisierte Arbeiterbewegung die nationalen Befreiungsbewegungen, zum einen, weil sie als modernisierende Kraft angesehen wurden, in dem Sinne, dass sie die Entwicklung des Kapitalismus als notwendige Etappe f\u00fcr den Sozialismus f\u00f6rderten, und zum anderen, weil sie zwar bourgeoise Charakterz\u00fcge hatten, aber gro\u00dfe Teile des Proletariats einschlossen, die potenziell eine sozialistische Perspektive schaffen konnten, indem sie den Zusammenbruch des Kapitalismus beschleunigten. Ein solches Beispiel war die nationale Befreiungsbewegung Polens (Polen war zwischen dem deutschen, \u00f6sterreichisch-ungarischen und russischen Imperium aufgeteilt), die zur Spaltung der Polnischen Sozialistischen Partei (1894) zwischen dem patriotischen rechten und dem linken internationalistischen Fl\u00fcgel f\u00fchrte. \u00c4hnlich wie 1914 war der Anf\u00fchrer der proletarisch-internationalistischen Tendenz Rosa Luxemburg, die gemeinsam mit ihren Genossinnen und Genossen f\u00fcr die Klassensolidarit\u00e4t zwischen polnischen und russischen Arbeitern, die sozialistische Perspektive und den universellen Kampf gegen den Kapitalismus warb und davor warnte, die Klassenfrage unter der nationalen zu begraben, denn schlie\u00dflich lag die nationale Unabh\u00e4ngigkeit Polens in niemandes Interesse, au\u00dfer dem der Bourgeoisie. Aufgrund dieser konsequenten proletarischen Position wurden sie innerhalb der Zweiten Internationale vom rechten patriotischen Fl\u00fcgel der polnischen Partei als \u201ePolizeiagenten\u201c und als \u201eruchlose Bande\u201c verunglimpft!<\/p>\n<p>Mehr als ein Jahrhundert nach diesen Ereignissen und nach dem Ersten Weltkrieg besteht kein Zweifel daran, dass nationale Befreiungsbewegungen und nationale Kriege nicht nur nicht den proletarischen Interessen dienen, sondern sie sogar vernichten, da das Proletariat de facto mit der Bourgeoisie verb\u00fcndet ist, entweder mit dem Ziel, einen neuen \u201eunabh\u00e4ngigen\u201c Nationalstaat zu errichten oder einen bestehenden \u201eunabh\u00e4ngigen\u201c Nationalstaat zu verteidigen. Der Begriff \u201eunabh\u00e4ngig\u201c steht in Anf\u00fchrungszeichen, denn im Kontext der kapitalistischen innerimperialistischen Antagonismen ist jede Nation-Staat an die Wagenr\u00e4der der einen oder anderen st\u00e4rkeren imperialistischen Macht gebunden. So k\u00f6nnen die USA zum Beispiel eine nationale Befreiungsbewegung, die ihren eigenen Interessen entspricht, vehement unterst\u00fctzen und eine andere, die von Russland unterst\u00fctzt wird, heftig bek\u00e4mpfen und umgekehrt.<\/p>\n<p>Die Entstehung von Nationen-Staaten ist eine relativ neue Episode der Geschichte im Zuge des Aufstiegs des Kapitalismus.<a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote19sym\"><sup>19<\/sup><\/a> Wir k\u00f6nnten sagen, dass die Verflechtung der Nationen-Staaten der modernen Welt und die Antagonismen zwischen ihnen eine Form der Existenz des gesamten sozialen Kapitals ist. Jede aktive Beteiligung des Proletariats an diesen nationalistischen Antagonismen reproduziert lediglich seine Position als ausgebeutete Klasse unter der Herrschaft des Kapitals. Kein Proletarier ist jemals durch einen nationalen Befreiungskrieg emanzipiert worden; im Gegenteil, jeder nationale Befreiungskrieg hat den Weg f\u00fcr die Konsolidierung einer neuen bourgeoisen Elite mit nationalen Merkmalen und einem kapitalistischen Programm geebnet (auch wenn es in ihren Reihen \u201eRevolution\u00e4re\u201c und \u201eHelden\u201c der nationalen Befreiungsbewegung gab). Daher w\u00fcrde die Selbstemanzipation des Proletariats die Beseitigung jedes nationalistischen Elements erfordern, alles, was es an ein \u201eHeimatland\u201c zu binden scheint, d.h. es m\u00fcsste sich gegen seine Ausbeuter, die gegenw\u00e4rtigen und die aufstrebenden, wenden und den nationalen Befreiungskrieg sofort in einen Klassenkrieg umwandeln. Er m\u00fcsste den sozialen Frieden, der eine unverzichtbare Erg\u00e4nzung zum kapitalistischen Krieg ist, in Schutt und Asche legen.<\/p>\n<p><strong>Die militaristischen A\u2019s im Kreis<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine dauerte es nicht lange, bis einige Texte ukrainischer Anarchistinnen und Anarchisten erschienen, in denen sie erkl\u00e4rten, dass sie zu den Waffen gegriffen h\u00e4tten, um die Ukraine und das ukrainische Volk gegen Russland zu verteidigen, das \u201eeinen langfristigen Plan hat, die Demokratie in Europa zu zerst\u00f6ren.\u201c Sie riefen die Menschen sogar dazu auf, sie finanziell zu unterst\u00fctzen, ihnen Waffen zu schicken (!) und sich der von Zelensky selbst gegr\u00fcndeten \u201eInternationalen Legion der Territorialen Verteidigung\u201c gegen den russischen Imperialismus anzuschlie\u00dfen. In Wirklichkeit handelt es sich um eine regul\u00e4re Milit\u00e4reinheit, die wie alle anderen vollst\u00e4ndig in die nationale Armee der Ukraine im Rahmen der Territorialen Verteidigung des Landes integriert ist. Diese Propagandatexte, begleitet von den notwendigen heroischen Fotos einiger schwer bewaffneter M\u00e4nner, die anarchistische Fahnen schwenken, verbreiteten sich wie ein Lauffeuer in allen westlichen Mediennetzwerken, sowohl im Mainstream als auch im Umfeld der antagonistischen Bewegung. Das ist nat\u00fcrlich zu erwarten: alles, was den Nationalismus f\u00f6rdert, auch wenn es von Anarchistinnen und Anarchisten kommt, alles, was dazu aufruft, sich einer der beiden Seiten in einem nationalen Krieg anzuschlie\u00dfen, ist f\u00fcr das Kapital und seinen Staat nicht nur legitim, sondern die einzig akzeptable Position.<\/p>\n<p>Aber was ist in der Ukraine passiert, w\u00e4hrend diese Anarchistinnen und Anarchisten an der Seite der nationalen Streitkr\u00e4fte der Ukraine gek\u00e4mpft haben, um \u201eunser aller Freiheit zu verteidigen\u201c? Zun\u00e4chst einmal wurde das Kriegsrecht ausgerufen: das bedeutet, dass die Gesetze zum Schutz der Arbeiter, Arbeiterinnen und ihrer Vertretung durch die Gewerkschaften\/Syndikate weitgehend au\u00dfer Kraft gesetzt wurden, was Massenentlassungen und Arbeitsunterbrechungen, die Verl\u00e4ngerung des Arbeitstages von vierzig auf sechzig Stunden, die einseitige K\u00fcndigung von Tarifvertr\u00e4gen durch die Bosse, die Nichtzahlung von L\u00f6hnen, die obligatorische \u00c4nderung des Arbeitsgegenstandes entsprechend den milit\u00e4rischen Bed\u00fcrfnissen des Staates, die K\u00fcrzung von Feiertagen usw. erm\u00f6glicht. In diesem Zusammenhang haben Hunderte von Unternehmen in der Ukraine die Tarifvertr\u00e4ge, die bis zum Ausbruch des Krieges in Kraft waren, einseitig ganz oder teilweise au\u00dfer Kraft gesetzt, insbesondere die Klauseln \u00fcber Gewerkschafts-, Syndikatsaktivit\u00e4ten, Sozialleistungen, Sicherheitsbedingungen und Arbeitszeiten. Zu diesen Unternehmen geh\u00f6ren ArcelorMittal, das gr\u00f6\u00dfte Stahlwerk des Landes, das Kernkraftwerk Tschernobyl, die Nationale Eisenbahngesellschaft der Ukraine, der Hafen von Odessa und die Kiewer U-Bahn. Unter dem Kriegsrecht sind auch Streiks und Demonstrationen verboten und allen M\u00e4nnern zwischen 18 und 60 Jahren ist es untersagt, das Land zu verlassen.<\/p>\n<p>Die kriegsbedingte Zerst\u00f6rung von konstantem und variablem Kapital wird also von g\u00fcnstigen Regelungen f\u00fcr die Bosse in den Betrieben begleitet. Es ist kein Zufall, dass die Regierung Zelensky mitten im Krieg ein Gesetz zur Verabschiedung ins Parlament einbrachte, das die vollst\u00e4ndige Deregulierung der Arbeitsbeziehungen vorsah. Damals war das Gesetz wegen der Reaktionen der Gewerkschaften\/Syndikate und der Opposition nicht verabschiedet worden. Doch nun hat die ukrainische Regierung die verschiedenen Hindernisse, wie die Verhandlungsmacht der Arbeiter oder die Existenz der Opposition, aus dem Weg ger\u00e4umt und es geschafft, den sozialen Frieden durch den Krieg zu erzwingen. Das oben erw\u00e4hnte Gesetz, das in den allgemeinen ideologischen Rahmen der \u201eEntsowjetisierung\u201c eingebettet ist, wurde im Sommer 2022 in einem schnellen parlamentarischen Verfahren verabschiedet. Der zentrale Kern dieses Angriffs auf das ukrainische Proletariat besteht darin, dass Arbeiter in kleinen und mittleren Betrieben mit bis zu 250 Besch\u00e4ftigten nicht mehr von Tarifvertr\u00e4gen erfasst werden, sondern individuelle Vertr\u00e4ge mit den jeweiligen Kapitalisten abschlie\u00dfen, ohne dass sie einen Schutz durch die Arbeitsgesetzgebung genie\u00dfen. Das bedeutet, dass \u00fcber 70 Prozent der ukrainischen Arbeitskr\u00e4fte Einzelvertr\u00e4ge haben werden, eine Entwicklung, die letztlich zur v\u00f6lligen Entwertung der Arbeitskraft des gr\u00f6\u00dften Teils des Proletariats des Landes f\u00fchren wird. Das Einzige, was diesen Prozess aufhalten k\u00f6nnte, w\u00e4re eine massenhafte Rebellion gegen das Kriegsrecht, d.h. die St\u00f6rung des sozialen Friedens, die von den nationalistischen Anarchisten und Anarchistinnen wahrscheinlich abgelehnt werden w\u00fcrde, denn wenn sie ein solches Ereignis angestrebt h\u00e4tten, w\u00e4ren sie weder freiwillig in die ukrainische Armee eingetreten noch h\u00e4tten sie diese Position propagiert. Wie sehr sie sich auch auf Kropotkin<a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote20sym\"><sup>20<\/sup><\/a> oder Bakunin (oder sogar Makhno!) berufen m\u00f6gen, ihre aktive Teilnahme am kapitalistischen Krieg richtet sich direkt gegen proletarische Interessen.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite stehen die westlichen linken Unterst\u00fctzer von Putin, die den russischen Einmarsch in der Ukraine bef\u00fcrworten. Mit der reaktion\u00e4ren Ideologie des Antiamerikanismus und dem Anti-Nato-Narrativ als Vehikel verteidigen sie die milit\u00e4rischen Operationen und den Nationalismus Russlands, einer kapitalistischen nationalen Formation, die wie jede andere solche Formation ihre Existenz und Reproduktion auf die Ausbeutung des gr\u00f6\u00dften Teils ihrer Bev\u00f6lkerung st\u00fctzt: des Proletariats. Sie sind so verabscheuungsw\u00fcrdige Feinde der proletarischen Bewegung, dass sie sich sogar gegen den j\u00fcngsten Aufstand im Iran nach der Ermordung von Mahsa Amini durch die Polizei gewandt und behauptet haben, er sei von den Amerikanern angezettelt worden. Sie unterst\u00fctzen aktiv jeden Schl\u00e4chter, der sich gegen proletarische Interessen wendet, genau wie die oben erw\u00e4hnten ukrainischen Anarchistinnen und Anarchisten, solange er\/sie als antiamerikanisch eingestuft wird. Ihre angebliche Sorge als Linke um die Arbeiterklasse ist schlichtweg eine L\u00fcge, denn sie unterst\u00fctzen offen die Ausl\u00f6schung ihrer Macht und ihrer eigenen Existenz \u2013 als einer der beiden antagonistischen Pole innerhalb des Kapitalismus und als variables Kapital \u2013 durch ihr aktives Engagement in den innerimperialistischen Kriegen.<\/p>\n<p><strong>Im Schlachthaus des kapitalistischen Krieges sind wir immer auf der Seite der Deserteure<\/strong><\/p>\n<p>\u201eWir wollen nicht weglaufen\u201c, sagen die ukrainischen Anarchistinnen und Anarchisten, die sich der Territorialen Verteidigung des Landes angeschlossen haben. Gleichzeitig sind nach offiziellen Angaben seit Beginn des Krieges etwa 7 Millionen Menschen aus dem Land geflohen. Meistens Frauen und Kinder, denn M\u00e4nnern ist es verboten, das Land zu verlassen. Die Tatsache, dass der Staat das Kriegsrecht mit Ausreiseverbot, Wehrpflicht und st\u00e4ndigen Grenzkontrollen verh\u00e4ngt hat, zeigt eher, dass ein gro\u00dfer Teil der M\u00e4nner zwischen 18 und 60 Jahren keine Lust hat, in der nationalistischen Kriegsmaschinerie mitzumachen. Viele haben versucht, die Grenze zu \u00fcberqueren, versteckt in Koffern, Kisten, Truhen und sogar als Frauen verkleidet. Einigen ist es gelungen, andere wurden von den Grenzsch\u00fctzern erwischt und zur Wehrpflicht gezwungen. Auch den Transfrauen gelang es nicht, den F\u00e4ngen der Kriegsmaschinerie zu entkommen, denn f\u00fcr den Staat und die Armee sind sie M\u00e4nner und d\u00fcrfen deshalb das Land nicht verlassen.<\/p>\n<p>Aus proletarisch-internationalistischer Sicht sollten wir die Entscheidung und das Handeln (A.d.\u00dc., im Sinne einer Aktion) derjenigen Menschen f\u00f6rdern und unterst\u00fctzen, die sich entweder aus Gr\u00fcnden der Selbsterhaltung oder aus politischen Gr\u00fcnden weigern, sich f\u00fcr das \u201eVaterland\u201c zu opfern und sich dem nationalen Kriegseinsatz zu entziehen. Wir sollten ihr Beispiel als wahre proletarische Praxis gegen die vorherrschende Ideologie des Militarismus und Nationalismus f\u00f6rdern, die sich sogar hinter den Bildern der roten und schwarzen Flagge versteckt hat.<\/p>\n<p>Solange der Krieg und seine extremen Schrecken andauern, kann die Ideologie der Aufopferung f\u00fcr das \u201eVaterland\u201c zerbr\u00f6ckeln und zusammenbrechen und es kann zu Praktiken der Fahnenflucht in beiden Armeen kommen, wie es in den letzten Monaten tats\u00e4chlich geschehen ist. In der ukrainischen Armee, die trotz westlicher Unterst\u00fctzung immer noch schw\u00e4cher ist als die russische Armee, tritt das Ph\u00e4nomen der Desertion (A.d.\u00dc., Fahnenflucht) recht \u00f6fters vor. In vielen F\u00e4llen handelt es sich dabei nicht um Desertionen mit rein internationalistischem Hintergrund, sondern eher um eine Flucht vor einer Armee, die sie unausgebildet und unbewaffnet auf Selbstmordmissionen schickt wie Schafe zur Schlachtbank. Trotzdem sind sie sicherlich ein Riss im Kriegsget\u00fcmmel und ein Beispiel f\u00fcr den Widerstand gegen die staatlich-milit\u00e4rische Macht.<\/p>\n<p>Auch in der russischen Armee gibt es Tausende von Soldaten, die sich weigern, an die ukrainische Front zur\u00fcckzukehren, weil sie behaupten, dass sie zu ihrem Todesurteil gef\u00fchrt werden. Im September 2022 k\u00fcndigte Putin eine Teilmobilisierung an, die rund 300.000 Reservisten betraf. Diese Ank\u00fcndigung l\u00f6ste eine riesige Fluchtwelle aus (Sch\u00e4tzungen zufolge haben bis zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Textes \u00fcber 300.000 Menschen das Land verlassen), da sie bef\u00fcrchteten, dass die Wehrpflicht verallgemeinert oder die Grenzen geschlossen w\u00fcrden. In vielen Regionen Russlands ist es zu Demonstrationen gegen die Mobilisierung gekommen, die von der Polizei brutal niedergeschlagen wurden. Au\u00dferdem gab es mehrere Angriffe auf Rekrutierungsb\u00fcros (seit Beginn des Krieges werden in Russland regelm\u00e4\u00dfig Rekrutierungsb\u00fcros niedergebrannt). Drei Tage nach der Ausrufung der Mobilmachung unterzeichnete Putin eine Gesetzes\u00e4nderung, die eine zehnj\u00e4hrige Haftstrafe f\u00fcr Deserteure vorsieht.<\/p>\n<p>Die Desertion in Kriegszeiten ist einer der radikalsten Akte des Widerstands gegen die nationalistische Ideologie. Aus diesem Grund sind Deserteure in Kriegszeiten seit jeher extremer Gewalt und Repressionen durch den Staat und die Milit\u00e4rbeh\u00f6rden ausgesetzt.<\/p>\n<p><strong>Revolution\u00e4rer Def\u00e4tismus<\/strong><\/p>\n<p>Revolution\u00e4rer Def\u00e4tismus war die Position der revolution\u00e4ren Internationalisten im Ersten Weltkrieg, im Gegensatz zu jenem Teil der Zweiten Internationale, der sich f\u00fcr eine aktive Teilnahme am Schlachthaus entschied. Seitdem ist der revolution\u00e4re Def\u00e4tismus die Grundhaltung aller kommunistischen und anarchistischen Internationalisten, die sich dem kapitalistischen Krieg stellen.<\/p>\n<p>Revolution\u00e4rer Def\u00e4tismus ist nicht gleichbedeutend mit Pazifismus. Er bedeutet die Umwandlung des nationalen Krieges in einen Klassenkrieg, d. h. die Untergrabung des sozialen Friedens, den die Bourgeoisie mit Gewalt durchzusetzen versucht, um ihren Krieg erfolgreich zu f\u00fchren. Es bedeutet Klassenkampf gegen unsere eigene Bourgeoisie und Solidarit\u00e4t mit den Proletariern anderer L\u00e4nder, die ebenfalls ihren eigenen Kampf gegen ihre eigene Bourgeoisie entwickeln. Wir k\u00e4mpfen gegen unsere eigene Bourgeoisie <em>nicht, damit sie vom m\u00e4chtigsten Staat besiegt wird<\/em>, d.h. dem Staat, der sein eigenes Proletariat besser disziplinieren kann, sondern um die Interessen der Bourgeoisie insgesamt zu besiegen, wie sie auch im nationalen Krieg zum Ausdruck kommen. Revolution\u00e4rer Def\u00e4tismus ist die aktive Mobilisierung gegen die Zwangseinberufung, die Unterst\u00fctzung von Deserteuren, die Unterst\u00fctzung der K\u00e4mpfe in den Betrieben gegen Lohnk\u00fcrzungen, gegen die Erh\u00f6hung der Arbeitszeiten oder die Auferlegung von Zwangsarbeit wegen des Krieges. Revolution\u00e4rer Def\u00e4tismus ist die Sabotage der Kriegsindustrie, die Verbreitung internationalistischer Propaganda an die Soldaten aller gegnerischen Lager, die Zusammenarbeit und praktische Solidarit\u00e4t mit den Proletariern aller beteiligten L\u00e4nder und die Verbreitung von K\u00e4mpfen, die Enteignung von G\u00fctern zur Befriedigung proletarischer Bed\u00fcrfnisse und jede andere Aktion, die zu unserem Ziel beitragen kann, das nichts anderes ist als die Entwicklung der revolution\u00e4ren Bewegung gegen die kapitalistischen Gesellschaftsverh\u00e4ltnisse, die die gegenseitige Abschlachtung der Proletarier im Krieg beinhalten.<\/p>\n<p>Revolution\u00e4rer Def\u00e4tismus bedeutet f\u00fcr uns hier und heute, mit dem andauernden Krieg in der Ukraine, dass wir die Klassenk\u00e4mpfe dort, wo wir uns befinden, intensivieren m\u00fcssen, vor allem wenn die Staaten, in denen wir uns aufhalten, aktiv in den milit\u00e4rischen Konflikt verwickelt sind und die Auswirkungen des Krieges auf unsere Klasse bereits verheerend sind. Dabei geht es nat\u00fcrlich nicht darum, die eine oder andere Seite zu unterst\u00fctzen \u2013 das ist die Aufgabe aller Arten von Nationalisten, seien es Anarchisten, Linke oder Rechte. Sondern im Gegenteil, um genau den vorherrschenden nationalistischen Monolog zu unterbrechen und das durchzusetzen, was die Interessen unserer Klasse schon immer bestimmt hat: den Kampf des Lebens gegen den Tod.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">3. November 2022<\/p>\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote1anc\">1<\/a>Hobson war auch offen rassistisch und ein Verfechter der Eugenik zur schrittweisen Eliminierung \u201edegenerierter oder unproduktiver Rassen\u201c. Er schlug Beschr\u00e4nkungen f\u00fcr die Auswanderung einer gro\u00dfen Zahl von Juden aus dem Russischen Imperium nach Westeuropa vor, da dies den Interessen der dortigen Arbeiter schade, und war offen antisemitisch, indem er j\u00fcdische Bankiers als Parasiten darstellte, die die britische Regierung manipulierten.\ufe0e<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote2anc\">2<\/a>R. Hilferding, Finance Capital, Routledge, 1981, S. 301 und 326.\ufe0e<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote3anc\">3<\/a>R. Hilferding, \u201eDer Funktionswechsel des Schutzzolles\u201c, <em>Die Neue Zeit, Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie<\/em>, 21. Jahrgang 1902-1903, 2. Bd. Nr. 35, S. 280 und J. Milios, D. Sotiropoulos, Imperialism, financial markets, crisis, Nissos, 2011, p. 30 (auf Griechisch).\ufe0e<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote4anc\">4<\/a>R. Hilferding, <em>Das Finanzkapital<\/em>, S. 370.\ufe0e<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote5anc\">5<\/a>V.I. Lenin, <em>I<\/em><em>mperialism, the Highest Stage of Capitalism<\/em>, Progress, 1963, p. 265.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote6anc\">6<\/a>V.I. Lenin, \u201cImperialism and the Split in Socialism,\u201d Lenin Collected Works vol. 23, Progress Publishers, 1964, p. 105.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote7anc\">7<\/a>Marcel Stoetzler, \u201cCritical Theory and the Critique of Anti-imperialism,\u201d in Best et al., <em>The Sage Handbook of Frankfurt School Critical Theory<\/em>, Sage, 2018, p. 1471.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote8anc\">8<\/a>Neususs,<em> Imperialismus und Weltmarktbewegung des Kapitals<\/em>, mentioned in Anders M\u00f6llander, \u201cMonopoly and socialism in Lenin\u2019s analysis of Imperialism,\u201d Tekla 1, 1977 (auf Schwedisch).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote9anc\">9<\/a>Ebenda<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote10anc\">10<\/a>Michael Heinrich, <em>An Introduction to the Three Volumes of Karl Marx\u2019s Capital<\/em>, 2012, p. 215.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote11anc\">11<\/a>Wir verwenden die Begriffe Zentrum-Peripherie nicht in dem Sinne, wie sie in der Dependenztheorie verwendet werden, sondern lediglich als Bezeichnungen f\u00fcr die verschiedenen Ebenen der kapitalistischen Entwicklung.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote12anc\">12<\/a>Die Ausarbeitung dieses Abschnitts stammt aus einer Notiz, die einer der Autoren dieses Textes in einer Zeitschrift geschrieben hat, an der er fr\u00fcher beteiligt war.\ufe0e<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote13anc\">13<\/a>\u201eDer angeblich durch die imperialistische Politik bedingte Kapitalexport fand tats\u00e4chlich statt, aber der gr\u00f6\u00dfte Teil dieses Kapitalexports ging nicht in Kolonien und abh\u00e4ngige Gebiete, sondern in andere entwickelte kapitalistische L\u00e4nder, die ebenfalls eine imperialistische Politik verfolgten. Das bedeutet, dass die Ursache f\u00fcr den Kapitalexport nicht allein in der mangelnden Rentabilit\u00e4t in den kapitalistischen Zentren liegen kann, denn das w\u00fcrde bedeuten, dass kein Kapital in andere Zentren exportiert werden konnte. Au\u00dferdem war ein solcher Kapitalexport nicht durch die imperialistische Politik des Heimatlandes gesichert.\u201c Heinrich, op. cit., S. 216.\ufe0e<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote14anc\">14<\/a>Yfanet, \u201cThere is only one enemy\u2026,\u201d <em>Nation, anti-imperialism and antagonistic movement<\/em>, Thessaloniki, 2007, p. 45 (auf Griechisch).\ufe0e<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote15anc\">15<\/a>Wie Marcus Stoetzler feststellt:<\/p>\n<p>In seinem 1920 f\u00fcr den zweiten Kongress der Kommunistischen Internationale verfassten \u201eEntwurf zur nationalen und kolonialen Frage\u201c erkl\u00e4rte Lenin, dass in \u201eIn bezug auf die zur\u00fcckgebliebeneren Staaten und Nationen, in denen feudale oder patriarchalische und patriarchalisch-b\u00e4uerliche Verh\u00e4ltnisse \u00fcberwieg\u201c, \u201ealle kommunistischen Parteien die b\u00fcrgerlich-demokratische Befreiungsbewegung in diesen L\u00e4ndern unterst\u00fctzen\u201c, sondern auch \u201edie Geistlichkeit und sonstige reaktion\u00e4re und mittelalterliche Elemente zu bek\u00e4mpfen\u201c, einschlie\u00dflich des \u201ePanislamismus und \u00e4hnliche Str\u00f6mungen zu bek\u00e4mpfen, die die Befreiungsbewegung gegen den europ\u00e4ischen und amerikanischen Imperialismus mit einer St\u00e4rkung der Positionen der Khane, der Gutsbesitzer, der Mullahs usw. verkn\u00fcpfen wollen\u201c. Abgesehen von der mechanischen Auffassung der historischen Entwicklung, die dieser Position zugrunde liegt, setzt sie f\u00e4lschlicherweise voraus, dass die bourgeoisen Nationalisten in diesen L\u00e4ndern wirklich gerne B\u00fcndnisse mit Geistlichen, Panislamisten und anderen reaktion\u00e4ren Elementen eingehen, um sozialistische Unterst\u00fctzung zu erhalten. Die Verschiebung hin zur Unterst\u00fctzung \u201eb\u00fcrgerlich-demokratischer Befreiungsbewegungen\u201c fiel mit der \u201eAnn\u00e4herung der sowjetischen Regierung an b\u00fcrgerliche Regime (vor allem die T\u00fcrkei und Persien) zusammen, w\u00e4hrend militante Kommunisten in diesen L\u00e4ndern erschossen und inhaftiert wurden\u201c (Loren Goldner, \u201e\u2019Socialism in One Country\u2018 Before Stalin, and the Origins of Reactionary \u201aAnti-Imperialism\u2018: The Case of Turkey, 1917-1925\u201c. Critique, 38(4): 631-661).<\/p>\n<p>Eine weitere wichtige Beobachtung von Marcus Stoetzler ist, dass der Antiimperialismus auch Teil der ideologischen Agenda der extremen Rechten war. Die Idee eines Kampfes zwischen \u201evolksnahen\u201c und \u201eplutokratischen Nationen\u201c tauchte in den protofaschistischen Milieus in Deutschland, Frankreich und Italien w\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs auf und wurde zu einem Merkmal der Rhetorik von Mussolini und Gregor Strasser und anderen. Wie er feststellt:<\/p>\n<p>Ihr Kampf gegen einen dekadenten \u201eWesten\u201c wurde von \u201ekonservativen Revolution\u00e4ren\u201c wie Arthur Moeller van den Bruck und Ernst Niekisch in den 1920er Jahren beschworen; ihr faschistischer Antiimperialismus war \u201enichts anderes als die \u201aau\u00dfenpolitische Version\u2018 des faschistischen Antikapitalismus\u201c (Fringeli, 2016: 42). Auf der gegen\u00fcberliegenden Seite des Mittelmeers entwickelte sich der moderne Islamismus einschlie\u00dflich seiner dschihadistischen Ableger parallel zu den gleichen Impulsen der \u201ekonservativen Revolution\u201c und lie\u00df sich von ihnen inspirieren, einschlie\u00dflich der ultrakonservativen Version des Widerstands gegen den \u201eKulturimperialismus\u201c, d. h. die liberale Modernit\u00e4t. Als nach der Aufl\u00f6sung der Sowjetunion die bourgeoisen nationalistischen Regime des Nahen Ostens zerfielen, die \u2013 mit sowjetischer Unterst\u00fctzung \u2013 eine antiimperialistische Ideologie mit dem Anspruch auf eine Form des Sozialismus verbunden hatten, wurde der Panislamismus, vor dem Lenin gewarnt hatte, schlie\u00dflich zu einem bedeutenden Ph\u00e4nomen. Die deutsche \u201ekonservative Revolution\u201c und faschistische Ideen beeinflussten die Entwicklung des antiimperialistischen Denkens auch in Bolivien in den 1930er und 1940er Jahren und verbreiteten sich von dort aus in andere lateinamerikanische L\u00e4nder (Goldner, 2016: Kapitel 4). Um 1935 hatten die Anf\u00fchrer der Sowjetunion erkannt, dass die Unterst\u00fctzung des \u201eSelbstbestimmungsrechts der V\u00f6lker\u201c in den meisten F\u00e4llen eher den Faschisten als ihnen selbst half, weshalb sie den Begriff fast zwei Jahrzehnte lang aufgaben. In den 1950er Jahren kehrte er zur\u00fcck und dominierte die sowjetische Au\u00dfenpolitik.<\/p>\n<p>Op. cit., S. 1472.\ufe0e<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote16anc\">16<\/a>Zitiert in Rosa Luxemburg, <em>Die Junius Brosch\u00fcre<\/em>, Kapitel II.\ufe0e<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote17anc\">17<\/a>Der erste Teil der Passage wird in der <em>International Encyclopedia of the First World War <\/em>im Eintrag \u00fcber die \u201eUnion sacr\u00e9e\u201c zitiert. Der zweite Teil wird im Wikipedia-Eintrag \u00fcber Jean Jaur\u00e8s zitiert.\ufe0e<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote18anc\">18<\/a>A.d.\u00dc., hier m\u00fcsste gesagt werden das die PSI eher eine <em>neutrale <\/em>Haltung hielt, sie waren nicht f\u00fcr den Krieg, aber nicht explizit dagegen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote19anc\">19<\/a>Laut Fredy Perlman wurde der Nationalismus an sich am Ende des achtzehnten Jahrhunderts mit zwei Ereignissen begr\u00fcndet, die die Ankunft des Nation-Staates signalisierten: die Unabh\u00e4ngigkeit der Vereinigten Staaten im Jahr 1776 und die Franz\u00f6sische Revolution im Jahr 1789. F. Perlman,<em> The Continuing Appeal of Nationalism<\/em>, Black and Red Books, 1985.\ufe0e<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/2023\/02\/18\/gegen-die-leninistische-position-zum-imperialismus-erschien-auf-insurgent-notes-von-antithesi\/#sdfootnote20anc\">20<\/a>Im Ersten Weltkrieg unterst\u00fctzte Kropotkin die Entente, das B\u00fcndnis zwischen Gro\u00dfbritannien, Frankreich und Russland, gegen die Mittelm\u00e4chte Deutschland, \u00d6sterreich-Ungarn und Italien und vertrat die Ansicht, dass jeder Versuch Deutschlands, in Westeuropa einzumarschieren, zerschlagen werden sollte. In diesem Zusammenhang sprach er sich f\u00fcr eine aktive Teilnahme am Krieg aus, ganz im Gegensatz zu den kriegsgegnerischen und antimilitaristischen Positionen des gr\u00f6\u00dften Teils der anarchistischen Bewegung zu dieser Zeit.\ufe0e<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Translation by Soligruppe f\u00fcr Gefangene Gefunden auf der Seite von Insurgent Notes, erschien auch als Artikel in deren letzten Ausgabe, Nummer 25, die den Schwerpunkt des Krieges in der Ukraine tr\u00e4gt. Der Artikel wurde von der griechischen Gruppe \u201aAntithesi\u2018 geschrieben. 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