{"id":919,"date":"2021-11-21T13:01:05","date_gmt":"2021-11-21T11:01:05","guid":{"rendered":"https:\/\/antithesi.gr\/?page_id=919"},"modified":"2021-12-20T17:46:43","modified_gmt":"2021-12-20T15:46:43","slug":"urbanismus-spektakel-und-besetzungen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/antithesi.gr\/?page_id=919","title":{"rendered":"Urbanismus, Spektakel und Besetzungen"},"content":{"rendered":"<div class=\"createdtime\">13. November 2021<\/div>\n<div class=\"autoren\">Von<\/p>\n<div>\n<div><a href=\"https:\/\/communaut.org\/de\/taxonomy\/term\/55\" hreflang=\"de\">Antithesi<\/a><\/div>\n<div><a href=\"https:\/\/communaut.org\/de\/taxonomy\/term\/54\" hreflang=\"de\">M. Lautr\u00e9amont<\/a><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><em>Hausbesetzungen laufen oft Gefahr, in einem selbstreferenziellen Aktivismus und Kulturangebot zu m\u00fcnden, und sind meist unf\u00e4hig, mehr als subkulturelle R\u00fcckzugsorte zu werden. Die Instandhaltung der Infrastruktur, die Organisierung von Veranstaltungen, gekoppelt an hausinterne Angelegenheiten und Konflikte, rauben viel Zeit und Energie, bis sich irgendwann das politische Handeln nur noch um die eigene Wohn- und Szeneinsel dreht. Wo sich alle nur um ihre eigene Nische k\u00fcmmern, kommt es notwendig zu einer selbstinduzierten Isolation, in der kaum Interesse an anderen sozialen Konflikten gibt und die einzelnen Akteur:innen sich im Kreis drehen: Man gibt sich damit zufrieden, die eigene Szene zu reproduzieren, und erf\u00e4hrt dabei eine Selbstbest\u00e4tigung, weil dies scheinbar die eigene Radikalit\u00e4t vor Augen f\u00fchrt.<\/em><\/p>\n<p><em>Dennoch sind \u00f6ffentliche Hausbesetzungen wichtig, weil sie unkommerzielle Orte des Austausches, der Vernetzung und nicht zuletzt auch des Experimentierens mit kollektiven Wohnformen sind, in denen durch m\u00f6glichst wenig oder keine Lohnarbeit kollektiv gelebt werden kann. Besetzungen stellen einen der Grundpfeiler der kapitalistischen Gesellschaft, das Privateigentum, in Frage und richten sich gegen die Kommodifizierung von Wohnraum und die kapitalistische Raumordnung der St\u00e4dte, die diese zu Konsumtempeln degradiert und die Prekarisierten verdr\u00e4ngt. Das Leben innerhalb der St\u00e4dte wird zunehmend dem Diktat der Kapitalinteressen unterworfen. Hausbesetzungen fungieren, trotz der erw\u00e4hnten M\u00e4ngel, oft als praktische Kritik der entfremdeten Raumzeit des allt\u00e4glichen Lebens in der kapitalistischen Stadt, indem sie einen widerst\u00e4ndigen Raum des Dialogs und der Vernetzung herstellen, der sich gegen unmittelbare Kapitalinteressen richtet. Sie sind tempor\u00e4r und begrenzt \u00bbbefreite\u00ab R\u00e4ume.<\/em><\/p>\n<p><em>Die antiautorit\u00e4r-kommunistische Gruppe \u00bbAntithesi\u00ab<\/em><a id=\"footnoteref1_uitqe5w\" class=\"see-footnote\" title=\"https:\/\/antithesi.gr \" href=\"https:\/\/communaut.org\/de\/urbanismus-spektakel-und-besetzungen#footnote1_uitqe5w\">1<\/a><em>(Athen) hat anhand der Ereignisse der letzten Jahre rund um eines der bekanntesten besetzten H\u00e4user Griechenlands, die \u00bbRosa Nera\u00ab, \u00fcber die praktische Kritik am Urbanismus reflektiert und dabei auf Guy Debords \u00dcberlegungen in \u00bbDie Gesellschaft des Spektakels\u00ab zur\u00fcckgegriffen. Ihre Auseinandersetzung mit dem bekanntesten Werk Debords geht jedoch weit \u00fcber den Text hinaus, der hier \u00fcbersetzt wurde. Die Genoss:innen haben dieses Jahr ein \u00fcber 400 Seiten langes Buch \u00fcber \u00bbDie Gesellschaft des Spektakels\u00ab herausgegeben, in dem sie jede These des Werks besprechen.<\/em><a id=\"footnoteref2_wt0w3sb\" class=\"see-footnote\" title=\"Das Buch mit dem Titel Die Gesellschaft des Spektakels: Notizen zur Lekt\u00fcre und Praxis ist momentan nur auf Griechisch erh\u00e4ltlich: https:\/\/antithesi.gr\/?p=846 \" href=\"https:\/\/communaut.org\/de\/urbanismus-spektakel-und-besetzungen#footnote2_wt0w3sb\">2<\/a><\/p>\n<p><em>Im nachfolgenden Text, der im Juli 2021 in der \u00bbRosa Nera\u00ab vorgestellt wurde, befassen sich die Genoss:innen mit Debords Auseinandersetzung mit der kapitalistischen Raumordnung. Ausgangspunkt ist der Begriff des Spektakels \u2013 Ein Begriff, der heute allzu oft missverstanden wird. Er wird meist nicht als Versuch begriffen, die entfremdeten Verh\u00e4ltnisse des Sp\u00e4tkapitalismus theoretisch zu fassen, die sich sp\u00e4testens seit der zweiten industriellen Revolution und der Herausbildung der Konsumgesellschaft auf die Gesamtheit des Lebens auswirken. Vielmehr wird der Begriff des Spektakels oft verk\u00fcrzt wiedergegeben und auf die Kulturindustrie reduziert. Fernab solcher verk\u00fcrzten Betrachtungen analysieren die Genoss:innen von \u00bbAntithesi\u00ab den Begriff des Spektakels und verbinden ihn mit der Kritik am Urbanismus, an der damit verbundenen Atomisierung der Menschen in den St\u00e4dten und an den gegebenen Klassenverh\u00e4ltnissen. Sie erinnern uns dabei an einen der wichtigsten Beitr\u00e4ge der Situationisten: Eine revolution\u00e4re Bewegung muss das allt\u00e4gliche, entfremdete Leben umkrempeln, sie muss sich den Raum und die Zeit wieder aneignen und neue soziale Verh\u00e4ltnisse erschaffen, die weder durch die Warenlogik noch durch die damit verbundene Raumordnung bestimmt sind.<\/em><\/p>\n<p><em>Da die Genoss:innen sich an einzelnen Stellen im Text auf die \u00bbRosa Nera\u00ab beziehen und der Text sowohl in der \u00bbRosa Nera\u00abals auch in anderen besetzten H\u00e4usern pr\u00e4sentiert wurde, folgen zun\u00e4chst ein paar einleitende Worte zur \u00bbRosa Nera\u00ab und den dort herrschenden Konflikten. Diese kurze Erl\u00e4uterung ist vor allem deshalb von Bedeutung, weil die Kritik des Urbanismus nicht blo\u00df theoretisch vollzogen werden sollte. Die \u00bbRosa Nera\u00ab dient in diesem Sinne als Beispiel einer praktischen Kritik des kapitalistischen Urbanismus, als selbsorganisierter Zusammenschluss gegen Staat und Kapital.<\/em><\/p>\n<p><em>Die anarchistische Hausbesetzung \u00bbRosa Nera\u00ab in Chani\u00e1, Kreta, besteht seit 2004 und entwickelte sich zu einem selbstorganisierten, unkommerziellen und widerst\u00e4ndigen Raum, in dem Diskussionsveranstaltungen, Konzerte, Workshops und Partys stattfinden. Auch eine Bibliothek, ein Archiv, ein Theater, ein Kinderpark, ein Gratisladen und sogar eine kleine B\u00e4ckerei wurden in m\u00fchseliger Arbeit von den Bewohner:innen und Sympathisant:innen aufgebaut. Die Besetzung zog von Anfang an viele Leute an und hatte einen starken R\u00fcckhalt in der Nachbarschaft.<\/em><\/p>\n<p><em>Im November 2019 k\u00fcndigte die Regierung der rechten Partei \u00bbNea Dimokratia\u00ab ein Ultimatum an: innerhalb von 15 Tagen sollten zahlreiche besetzte H\u00e4user in ganz Griechenland aufgegeben werden, ansonsten w\u00fcrden diese ger\u00e4umt. Als Antwort st\u00fcrmten mehrere Leute in Chani\u00e1 einen TV-Sender mit einem Transparent mit der Aufschrift \u00bb15 Tage bis zum Ende der Welt (so wie ihr sie kennt)\u00ab und k\u00fcndigten live an:<\/em><\/p>\n<p><em>\u00bbDiejenigen, die unsere Arbeit ausbeuten, werden hiermit aufgefordert, die L\u00f6hne um 200% zu erh\u00f6hen, die Arbeitszeiten entsprechend zu verk\u00fcrzen oder \u203aihre\u2039 Produktionsmittel zu kollektivieren und damit aufzuh\u00f6ren unsere Arbeitskraft zu stehlen. Diejenigen, die rechtswidrig gegen die internationalen Gesetze zum Schutz von Fl\u00fcchtlingen versto\u00dfen, indem sie Kinder t\u00f6ten, inhaftieren und sogar entf\u00fchren, um sie in unmenschlichen Internierungslagern ohne Zugang zu Gesundheit und Bildung einzusperren, werden aufgefordert, unverz\u00fcglich zur\u00fcckzutreten. Diejenigen, die Fl\u00fcchtlinge ausweisen, werden aufgefordert, das Land zu verlassen und ihre Verantwortung f\u00fcr den Schutz von Fl\u00fcchtlingsleben an internationale Solidarit\u00e4tsbewegungen abzugeben. Die Frist f\u00fcr die Umsetzung der Anordnungen betr\u00e4gt 15 Tage ab dem Zeitpunkt der Ver\u00f6ffentlichung dieser Pressemitteilung. Andernfalls werden wir nicht erfreut sein&#8230; um es gelinde auszudr\u00fccken. Wir sehen uns auf der Stra\u00dfe.\u00ab<\/em><\/p>\n<p><em>Von den landesweiten Solidarit\u00e4tsaktionen unbeeindruckt, f\u00fchrte die Regierung ihre Pl\u00e4ne fort und st\u00fcrmte und r\u00e4umte am 5. September 2020 die \u00bbRosa Nera\u00ab mit Polizeieinheiten aus verschiedenen griechischen St\u00e4dten. Stunden sp\u00e4ter protestierten Hunderte Menschen gegen die R\u00e4umung und hielten eine Vollversammlung ab, in der ein weiterer Demonstrationszug f\u00fcr den Abend organisiert wurde. Ganze 2\u00b4000 Menschen nahmen sich diesmal aus Solidarit\u00e4t mit der \u00bbRosa Nera\u00ab die Stra\u00dfen \u2013 eine betr\u00e4chtliche Anzahl f\u00fcr die kleine Inselstadt, in der wenig mehr als 50\u00b4000 Leute leben. Dennoch gab die Regierung nicht nach, sie blieb bei ihren Pl\u00e4nen und ergriff alle erdenklichen Ma\u00dfnahmen, damit das Geb\u00e4ude nicht wiederbesetzt wurde: Die Eing\u00e4nge wurden zugemauert, sanit\u00e4re und elektrische Anlagen zerst\u00f6rt, die Fenster mit Metallplatten zugeschraubt und mehrere Polizist:innen \u00fcberwachten das Geb\u00e4ude rund um die Uhr.<\/em><\/p>\n<p><em>Neun Monate sp\u00e4ter, am 5. Juni 2021, stand das anarchistische Sozialzentrum \u00bbRosa Nera\u00ab immer noch leer. Gegen Mittag str\u00f6mten Hunderte Menschen entschlossen in Richtung des ehemals besetzten Hauses und forderten die Polizei auf, sich sofort zur\u00fcckzuziehen, was sie, angesichts ihrer z\u00e4hlenm\u00e4\u00dfigen Unterlegenheit kleinm\u00fctig taten. Das Geb\u00e4ude wurde in der Folge wiederbesetzt und am selben Tag fand eine Vollversammlung mit ca. 1\u00b4200 Menschen statt.<\/em><\/p>\n<p><em>Da sich die Hausbesetzung auf dem Kastelli H\u00fcgel befindet, einem der sch\u00f6nsten Orte der Stadt mit einer wundersch\u00f6nen Aussicht, weckt sie seit geraumer Zeit das Interesse von Privatinvestoren. Triebkraft der ersten R\u00e4umung der \u00bbRosa Nera\u00ab waren u.a. die Pl\u00e4ne der Firma \u00bbBelvedere\u00ab, die auf dem H\u00fcgel private Luxushotelanlagen mit Swimmingpools bauen wollte. Aus diesem Grund ist die Wiederbesetzung des Geb\u00e4udes nicht nur ein Zeichen gegen die staatliche Repression, sondern vor allem gegen die Kapitalinteressen der Tourismusbranche und der damit verbundenen Gentrifizierung von Chani\u00e1.<\/em><\/p>\n<p><em>M. Lautr\u00e9amont<\/em><\/p>\n<p>***<\/p>\n<p><strong>Warendominierte St\u00e4dte: Orte des Widerstands und der kapitalistischen Macht<\/strong><\/p>\n<p>Ende Mai 2021 haben wir unsere neue Publikation mit dem Titel\u00a0<em>Die Gesellschaft des Spektakels: Notizen zur Lekt\u00fcre und Praxis<\/em>\u00a0ver\u00f6ffentlicht. Das Buch ist das Ergebnis einer kollektiven Arbeit. Wir waren \u00fcber zwei Jahre lang in einer Diskussions- und Kritikgruppe, in der wir das Originalwerk von Debord untersucht haben. In unserem Buch n\u00e4hern wir uns dem Begriff des Spektakels als Erscheinungsform des Kapitals, wenn es bereits\u00a0<em>alle Lebensbereiche unter seine Verwertung subsumiert hat<\/em>. Im Gegensatz zum Geld, das die sichtbare Form des Kapitals als gesellschaftliches Produktions- und Herrschaftsverh\u00e4ltnis in der Sph\u00e4re der \u00d6konomie ist, ist das Spektakel die Erscheinung des Kapitals in seiner Totalit\u00e4t, d.h. die Erscheinung der Totalit\u00e4t der kapitalistischen Verh\u00e4ltnisse \u2013 Das umfasst Politik, Ideologie, Stadt, Kultur usw. So wird \u00bbdie ganze Ausdehnung der Gesellschaft\u00ab zum Portr\u00e4t des Kapitals (These 50).<\/p>\n<p>Das Spektakel, genauso wie das Geld, ist nach Marx zugleich sichtbar und verschwommen, da sich in ihnen das Kapital als gesellschaftliches Verh\u00e4ltnis sowohl ausdr\u00fcckt als auch verbirgt.\u00a0<em>Die Gesellschaft des Spektakels<\/em>\u00a0geht von der logischen Entwicklung der Kategorien vom Spektakel als vollendete Trennung \u2013 d.h. als organisierte Einheit und strukturierte Totalit\u00e4t der getrennten Sph\u00e4ren der Gesellschaft \u2013 zu den einzelnen getrennten Sph\u00e4ren \u00fcber, die es vereint und die seine besonderen Erscheinungsformen ausmachen: die Ware, die Politik, die Trennungen innerhalb derselben und ihre wesenhafte Einheit, das Proletariat als Repr\u00e4sentation, die spektakul\u00e4re pseudozyklische Zeit, die Raumordnung und der Urbanismus, die Kultur und die Ideologie. Das Kapital hat das Leben in getrennte Sph\u00e4ren fragmentiert, die alle unter seiner Herrschaft vereinheitlicht sind. Das Spektakel ist die Art und Weise, in der sowohl diese vollendete Trennung als auch jede getrennte Sph\u00e4re erscheint und somit existiert. Dar\u00fcber hinaus verwendet Debord den Begriff des Spektakels, um die Tatsache auszudr\u00fccken, dass der Mensch in keiner dieser Sph\u00e4ren die Kontrolle \u00fcber sein eigenes Leben hat, vielmehr ist er selbst Zuschauer desselben und verharrt in einer kontemplativen Haltung. Deshalb d\u00fcrfen wir das Spektakel nicht auf das Fernsehen, das Kino oder die Werbung reduzieren, obwohl es sich hierbei auch um einige seiner Ausdrucksformen handelt.<\/p>\n<p>Vereinfacht ausgedr\u00fcckt beschreibt der Begriff des Kapitals ein soziales Verh\u00e4ltnis, in dem die Produkte die Produzent:innen beherrschen. Die einzelnen Kapitalist:innen glauben, dass sie die Subjekte der Wirtschaft sind, doch eigentlich sind auch sie, wie sich in Krisen und in wirtschaftlichen Auf- und Abschw\u00fcngen zeigt, Objekte der allgemeinen \u00f6konomischen Bewegung. Sie personifizieren das Kapital, das eine unpers\u00f6nliche wirtschaftliche Kraft ist, die \u00fcber die einzelnen Individuen hinausgeht. Wenn das Kapital alle Lebensbereiche beherrscht, dr\u00fcckt sich die Eigenst\u00e4ndigkeit der Produkte gegen\u00fcber den Produzent:innen in Repr\u00e4sentationen aus, in einer Reihe von Bildern, die je nach Sph\u00e4re variieren. Um nur einige Beispiele zu nennen: Im Bereich der Politik dr\u00fcckt es sich in den Bildern m\u00e4chtiger M\u00e4nner, eiserner Frauen und in der patriotischen Mythologie aus, im Bereich der Kulturindustrie in den Stars der gehobenen und popul\u00e4ren Kunst, im Bereich der Raumordnung in den Postkarten touristischer Reiseziele, im Bereich der spektakul\u00e4ren Zeit in den pseudozyklisch wiederholten Huldigungen der Ware. Das Spektakel darf nicht mit diesen Bildern gleichgesetzt werden. Es ist vielmehr das durch sie vermittelte soziale Verh\u00e4ltnis: die Herrschaft des Kapitals \u00fcber seine Sch\u00f6pfer:innen, die Verwandlung der Menschen in Zuschauer:innen ihrer eigenen T\u00e4tigkeiten \u2013 in jeder einzelnen Sph\u00e4re und als Ganzes. Dar\u00fcber hinaus ist das Spektakel als Verlust der Kontrolle der Menschen \u00fcber ihr Leben das gemeinsame Element, das all diese getrennten Sph\u00e4ren vereint, so wie es auch die getrennten Menschen vereint, die in atomisierte Individuen und Familien verwandelt wurden. Der Staat selbst ist eine Version des Spektakels.<\/p>\n<p>In diesem Sinne versucht Debord durch den Begriff des Spektakels die soziale Wirklichkeit als ein organisches Ganzes theoretisch zu rekonstruieren, das sich in und durch die Verselbst\u00e4ndigung der Erscheinungsformen des Kapitals (wirtschaftliche, politische, ideologische Formen) konstituiert. Aus diesem Grund kann sich der revolution\u00e4re Klassenkampf nicht mehr nur auf die Beseitigung der Armut fokussieren. Vielmehr muss sich eine emanzipatorische Bewegung auf die Negation der Totalit\u00e4t der spektakul\u00e4ren Herrschaft des Kapitals richten, d. h. sie muss alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens umw\u00e4lzen \u2013 auch die latente Unzufriedenheit, die in den herrschenden Vorstellungen von Zufriedenheit und gesellschaftlichem Sinngehalt lauert.<\/p>\n<p>In der heutigen Veranstaltung, die nach der Wiederbesetzung von\u00a0<em>Rosa Nera<\/em>\u00a0und zu ihrem siebzehnten Geburtstag stattfindet, werden wir uns auf die Sph\u00e4re der Raumplanung und des Urbanismus und auf die Stadt als Raum der kapitalistisch-spektakul\u00e4ren Macht konzentrieren. Wir verstehen dabei die K\u00e4mpfe gegen die kapitalistische Raumordnung als Grundlage f\u00fcr emanzipatorische K\u00e4mpfe generell und werden unsere theoretischen Ausarbeitungen zum Kapitel der kapitalistischen Raumordnung in\u00a0<em>Die Gesellschaft des Spektakels<\/em>\u00a0pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p><strong>Urbanismus als Produktion des abstrakten, homogenisierten und starrten kapitalistischen Raums<\/strong><\/p>\n<p>Das Kapitel\u00a0<em>Die Raumordnung<\/em>\u00a0beginnt mit der ber\u00fchmten Passage aus\u00a0<em>Der F\u00fcrst<\/em>, in der Machiavelli unterstreicht, dass der Herrscher einer Stadt die historische Erinnerung an Freiheit und Rebellion aus den Bewohner:innen ausl\u00f6schen muss und dass die einzige M\u00f6glichkeit, dies zu tun, darin besteht, die Stadtbewohner:innen auseinanderzurei\u00dfen und zu zerstreuen. Dies ist die Funktion des kapitalistisch-spektakul\u00e4ren Urbanismus, der die Einheit der Stadt auf der Grundlage der Fragmentierung ihrer Bewohner:innen herstellt.<\/p>\n<p>F\u00fcr Debord ist der Urbanismus nicht nur ein Fachgebiet der b\u00fcrgerlichen Wissenschaft. Vielmehr ist er die durch das Kapital vermittelte praktische Gestaltung menschlicher Aktivit\u00e4t und menschlichen Lebensraums. Doch der Kapitalismus eignet sich nicht nur die menschliche Aktivit\u00e4t an oder gestaltet sie. Er eignet sich den Lebensboden an und formt ihn. Auf diese Weise wird der kapitalistische Raum produziert \u2013 ein homogenisierter, vereinheitlichter und daher abstrakter Raum. So wie im kapitalistischen Warentausch die reale Abstraktion des Wertes, die Waren durch Geld austauschbar und zu \u00c4quivalenten werden l\u00e4\u00dft und von ihrem Nutzen und ihrem konkreten Charakter abstrahiert, so verliert der Raum seine eigene konkrete Realit\u00e4t, seine Besonderheit. Gleichzeitig ist der abstrakte Raum die Grundlage f\u00fcr die Organisation der abstrakten Arbeit und des Tauschs. Das Ergebnis dieses Abstraktionsprozesses wird seinerseits zu seiner Voraussetzung.<\/p>\n<p>Ein gutes Beispiel zur Veranschaulichung dieses Prozesses ist der Tourismus, der ein Spezialfall der Warenzirkulation ist. Zur Warenzirkulation geh\u00f6rt auch die Zirkulation einer besonderen Ware der kapitalistischen Gesellschaft: der Arbeitskraft. Vom Blickwinkel der Warenproduktion aus gesehen, ist die Zirkulation von Menschen der Transport der Ware Arbeitskraft zu den Produktionsst\u00e4tten. Unter dem Gesichtspunkt des individuellen Konsums dr\u00fcckt sich dieselbe Zirkulation neben anderen Konsumaktivit\u00e4ten als Tourismus aus. Tourismus ist also die durch Konsum gepr\u00e4gte Bewegung von Individuen von Ort zu Ort und tr\u00e4gt die Merkmale des Massenkonsums von Waren. Genauso wie die Waren auf einheitliche Weise produziert und konsumiert werden \u2013 mit der gemeinsamen Eigenschaft, dass sie Tr\u00e4ger von Wert sind \u2013, wird auch der Tourismus, also die massenhafte Mobilit\u00e4t von Menschen in Form von Reisen, zu einer einheitlichen und banalen Konsumaktivit\u00e4t.<\/p>\n<p>Diese Homogenisierung dehnt sich auf alle R\u00e4ume und Landschaften aus, egal wie unterschiedlich und besonders sie sein m\u00f6gen, ihre Andersartigkeit wird unter dem Diktat der Ware aufgehoben und ebenfalls zu einem Teil des Banalen. Der Tourismus und all das, was ihn ausmacht, also die spezifischen Eigenschaften des touristischen Konsums, die Mittel und die Zeit, die mit diesem Konsum einhergehen, homogenisieren Orte, die scheinbar ihre eigenen besonderen und nat\u00fcrlichen Merkmale haben. Wir beziehen uns hier nat\u00fcrlich auf den subjektiven Erfahrungshorizont der Konsument:innen sowie auf die Art und Weise wie diese Erfahrung sozial produziert wird. Denn unabh\u00e4ngig von einer gesellschaftlich produzierten Bedeutung w\u00fcrde jeder einzelne Raum, jede Landschaft, jeder Ort seine Einzigartigkeit bewahren.<\/p>\n<p>Aber \u00fcber die bisher dargelegte Homogenisierung hinaus ver\u00e4ndert und homogenisiert die Unterwerfung unter die Logik der \u00d6konomie auch die konkrete Realit\u00e4t der verschiedenen R\u00e4ume und ihre einzigartigen Eigenschaften. Denken wir etwa an die Werbung der Tourismusagenturen mit ihren immergleichen \u00bbtouristischen Paketen\u00ab und den unver\u00e4nderlichen, langweiligen und seichten Verpackungen, in denen sie vermarktet werden. Exotische Paradiese, kristallklare Gew\u00e4sser, Metropolen voller Leben, malerische Ziele von unendlicher Sch\u00f6nheit und all die damit verbundenen All\u00fcren der spektakul\u00e4ren Werbesprache. Diese Banalisierung der Werbung hat dementsprechend einen Kreislauf von identischen H\u00e4usern, B\u00fcros, Autobahnen, Ferienorten, Hotels, Str\u00e4nden und Flugh\u00e4fen hervorgebracht.<\/p>\n<p>Der kapitalistische Urbanismus ist im Wesentlichen die sichtbare Stilllegung des Lebens, er entzieht den Menschen die M\u00f6glichkeit, ihr Leben frei zu bestimmen und sich und ihre Umgebung zu ver\u00e4ndern. Er dient der Aufrechterhaltung der kapitalistischen Herrschaft in dem er die M\u00f6glichkeit des Eingreifens in den geschichtlichen Prozess unterbindet. Das \u00bbunruhige Werden im Nacheinander der Zeit\u00ab, wird vom \u00bbruhigen Nebeneinander des Raums\u00ab beherrscht (These 170). Mit anderen Worten: Der Urbanismus organisiert die Unterordnung der lebendigen Arbeit und des Lebens im weitesten Sinne des Wortes unter das Kapital, d.h. unter die tote\/vergangene Arbeit. Er organisiert die Unterwerfung der Gegenwart unter die Vergangenheit.<\/p>\n<p>Es besteht ein permanenter Antagonismus zwischen dem geplanten und abstrakten Raum und dem lebendigen Raum der sozialen Verweigerung. Im Gegensatz zum abstrakten und starren Raum der Experten (Architekt:innen, Stadtplaner:innen, Regierungsbeamt:innen) ist der gelebte Raum der Verweigerung ein Raum der\u00a0<em>Subjekte<\/em>, nicht ein Raum des Profitdenkens und der Ware.<\/p>\n<p><strong>Urbanismus und Klassenmacht<\/strong><\/p>\n<p>Urbanismus ist jedoch nicht nur die Produktion des spezifisch kapitalistischen abstrakten Raums. Seine grundlegende Funktion ist die Kontrolle der Bev\u00f6lkerung und die Verteidigung der Klassenmacht. Wie Debord hervorhebt, stellten das St\u00e4dtewachstum im Kapitalismus und die Ansammlung gro\u00dfer proletarischer Bev\u00f6lkerungsgruppen in ihnen eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr die kapitalistische Macht dar. Die Stadtplanung spielt offensichtlich eine zentrale Rolle bei der Eind\u00e4mmung dieser Gefahr. Zun\u00e4chst einmal werden die Ma\u00dfnahmen zur Aufrechterhaltung der Ordnung verst\u00e4rkt. So wird beispielsweise die Polizei geschaffen, Gassen werden kartiert, benannt und nummeriert. F\u00fcr Debord geht es im modernen Urbanismus jedoch eher um die Organisation der Atomisierung als um \u00dcberwachung und Repression. Wie er feststellt, gipfelt das Streben der Macht in der \u00bbAbschaffung der Stra\u00dfe\u00ab (These 172).<\/p>\n<p>Debord bezieht sich hier auf die Zersiedelung, d. h. die Ausdehnung der St\u00e4dte durch die Schaffung neuer, vom Zentrum entfernter Vorst\u00e4dte, in denen die Menschen die Arbeit, den Supermarkt oder die verschiedenen Freizeitangebote nur per Auto erreichen k\u00f6nnen. Er beruft sich insbesondere auf das monumentale Werk\u00a0<em>The City in History<\/em>\u00a0von Lewis Mumford, der die Organisation der Atomisierung bereits 1961 erkannt und heftig kritisiert hat. Einerseits verweist Mumford auf die Abschaffung der Stra\u00dfe als Ort der Begegnung und der direkten Kommunikation zwischen den Bewohner:innen der Stadt, die sich untereinander kennen, und nennt als Beispiel die Beziehung zwischen den Bewohner:innen und den Arbeiter:innen in den lokalen Gesch\u00e4ften. Im Gegensatz dazu besuchen die Menschen in St\u00e4dten wie Los Angeles jede Woche einen gesichtslosen Supermarkt, in dem sie niemanden kennen und nur zuf\u00e4llig auf Bekanntschaften treffen. Andererseits weist Mumford darauf hin, dass dieser Mangel an Kontakt durch Massenmedien ersetzt wird, in denen Wissen nur \u00fcber bewachte Kan\u00e4le weitergegeben wird. Der letztgenannte Punkt \u00fcber bewachte und einseitige Medien scheint heute, im Internetzeitalter, \u00fcberholt zu sein \u2013 Mumford z\u00e4hlt auch das Telefon zu den \u00bbbewachten Kommunikationskan\u00e4len\u00ab. Dar\u00fcber hinaus erweist er sich als prophetisch, wenn er von selbst- oder ferngesteuerten Autos spricht. Laut Mumford, werden die ehemaligen Fahrer:innen in den Autos fernsehen, da sie nicht einmal mehr die Freiheit haben, das Lenkrad zu halten.<\/p>\n<p>Die kapitalistische Gesellschaft kann jedoch nicht ausschlie\u00dflich auf Atomisierung beruhen, da sowohl die Produktion als auch der Konsum die Entwicklung neuer, entfremdeter Formen der Kollektivit\u00e4t erfordern, die die einzelnen Individuen als gemeinsam atomisierte Subjekte in das System integrieren. Diese Rolle wird von \u00f6ffentlichen und privaten Organisationen \u00fcbernommen, die Unterhaltungsangebote, kulturellen Konsum und Veranstaltungen anbieten. Dasselbe gilt gr\u00f6\u00dftenteils auch f\u00fcr virtuelle Netzwerke, die in den sozialen Medien entstehen. Nat\u00fcrlich kann es auch innerhalb dieser entfremdeten Formen des kollektiven Lebens zu Momenten der Verweigerung kommen, wie die Nutzung sozialer Medien durch soziale Bewegungen oder die Nutzung des \u00f6ffentlichen Raums bei Ausschreitungen zeigt. In diesen F\u00e4llen ist jedoch die Art und Weise, wie sie genutzt werden, grundlegend umgestaltet worden.<\/p>\n<p><strong>Urbanismus und Wohnraum<\/strong><\/p>\n<p>In\u00a0<em>Die Gesellschaft des Spektakels<\/em>\u00a0geht Debord auch auf eine andere Dimension des Urbanismus ein, die Entstehung der sogenannten \u00bbArchitektur f\u00fcr die Prekarisierten\u00ab. Diese staatliche Wohnpolitik entstand im Rahmen der Herausbildung des Wohlfahrtstaats, der selbst das Resultat des Versuchs ist, die Konflikte und Widerspr\u00fcche der sozialen Beziehungen innerhalb des Kapitalismus so zu vermitteln, dass die fortschreitende Reproduktion des Kapitals gew\u00e4hrleistet ist.<\/p>\n<p>Nehmen wir als Beispiel Gro\u00dfbritannien, wo bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts die gro\u00dfe Mehrheit des Proletariats in H\u00e4usern lebte, die Privatpersonen, in der Regel kleinen Grundbesitzer:innen, geh\u00f6rten. Ein gro\u00dfer Teil des Einkommens einer proletarischen Familie ging f\u00fcr die Miete drauf, Mieterh\u00f6hungen bedrohten folglich unmittelbar die Lebensbedingungen der Proletarier:innen. Als die Vermieter:innen im Ersten Weltkrieg versuchten, die Wohnungsnot auszunutzen, die in einigen Industriest\u00e4dten aufgrund der hohen Nachfrage nach Arbeitskr\u00e4ften in der Kriegsindustrie entstanden war, reagierte die organisierte Arbeiter:innenbewegung, indem sie vom Staat eine Mietpreiskontrolle forderte und mit einem Generalstreik drohte. Aus Angst vor einer Ausweitung der Bewegung gegen das Kapital im Allgemeinen lenkte die Regierung ein. Die als Notma\u00dfnahme eingef\u00fchrte Mietpreiskontrolle blieb noch viele Jahre sp\u00e4ter, bis in die 1970er Jahre, bestehen. Abgesehen von der Angst vor einer Eskalation des Klassenkampfes diente die Mietkontrolle auch dazu, die Kosten der Reproduktion der Arbeitskraft f\u00fcr das industrielle Kapital zu senken, obwohl laut dem parlamentarischen Ausschuss, der die Frage untersuchte, die Wohnverh\u00e4ltnisse einer der Hauptfaktoren f\u00fcr die Unruhen waren und das Ziel der Mietkontrollpolitik daher nicht in erster Linie wirtschaftlicher Natur war.<\/p>\n<p>Nach dem Krieg lancierte der britische Staat ein gro\u00dfes Wohnungsbauprogramm, um innerhalb von drei Jahren 500\u00b4000 H\u00e4user zu bauen. Subventionen f\u00fcr den Wohnungsbau wurden nicht nur an lokale Beh\u00f6rden und Gemeinden, sondern auch an Privatpersonen vergeben, um das Angebot an Wohnraum zu erh\u00f6hen und die Mieten in einem bestimmten Rahmen zu halten. Die H\u00e4user, die damals gebaut wurden, hie\u00dfen \u00bbHomes fit for Heroes\u00ab. Es ist also klar, dass die staatliche Wohnungsbaupolitik, zumindest in Gro\u00dfbritannien, direkt darauf abzielte, der revolution\u00e4ren Bedrohung zu begegnen. Neben dem Bau neuer H\u00e4user f\u00fcr die \u00bbHelden\u00ab der Arbeiter:innenklasse war die staatliche Wohnungsbaupolitik auch eine Politik die darauf abzielte, die Elendsviertel zu r\u00e4umen und nicht genehmigte H\u00e4user, in denen Proletarier:innen lebten, abzurei\u00dfen. Denn die Elendsviertel waren und sind Hochrisikogebiete f\u00fcr Aufst\u00e4nde gegen Kapital und Staat. Deshalb wird ein massives Projekt zum Bau von H\u00e4usern f\u00fcr Proletarier:innen in Angriff genommen, deren Architektur offensichtlich einen bestimmten Zweck erf\u00fcllt, d.h. sie sind spezifisch darauf ausgerichtet, die f\u00fcr die Reproduktion der Arbeitskraft notwendigen Funktionen zu erf\u00fcllen (Schlaf, Nahrung, Hygiene, sanit\u00e4re Einrichtungen, Erholung), und sie werden in Massenproduktion hergestellt. Daraus ergibt sich das Elend ihrer Form.<\/p>\n<p>Die staatliche Wohnungspolitik zielt darauf ab, die Reproduktionskosten der Arbeitskraft zu senken, aber vor allem zielt sie auf die Kontrolle der Proletarier:innen ab. Sie zielt darauf ab, eine Stadt und eine Gesellschaft zu schaffen, die wie eine Fabrik im Rahmen der Massenproduktion und des Massenkonsums funktioniert. Aus diesem Grund wird das Land auf abstrakte Weise \u2013 d.h. auf der Grundlage des Wertgesetzes \u2013 zu einem Raum geformt, der sich durch die Abstraktion der proletarischen Erfahrung charakterisiert. Dadurch entsteht eine neue Subjektivit\u00e4t, eine neue Art der sozialen Existenz der Proletarier:innen als atomisierte Privatindividuen, die sich einbilden, zur so genannten \u00bbMittelschicht\u00ab zu geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Debord kann an diesem Punkt kritisiert werden, weil er die Entwicklung dieser neuen Architektur als Ergebnis der Industrialisierung sieht, und zwar auf eine ziemlich deterministische Art und Weise. Doch wie der britische Fall gezeigt hat, ist das falsch. Im Gegenteil: sie ist das Ergebnis von Klassen- und sozialen K\u00e4mpfen und des Versuchs, diese zu vermitteln und zu kontrollieren. In Griechenland zum Beispiel wurde mit der Legalisierung von illegalem Wohnraum und dem \u00bbLand-gegen-Wohnung-Abkommen\u00ab<a id=\"footnoteref3_yc3lu9o\" class=\"see-footnote\" title=\"Das Abkommen entstand nach dem Zweiten Weltkrieg und der darauffolgenden Wohnungsnot. Es handelt sich dabei um eine Vereinbarung zwischen Grundst\u00fcckeigent\u00fcmer:innen und Bauunternehmen: Ein:e Grundst\u00fcckeigent\u00fcmer:in stellt dabei ein St\u00fcck Land einem Bauunternehmen zur Verf\u00fcgung, das darauf Wohnungen baut. Im Gegenzug erhalten die Grundst\u00fcckeigent\u00fcmer:innen einen Teil der auf ihrem Land gebauten Einheiten. Da die Bauunternehmen das Grundst\u00fcck nicht abkaufen m\u00fcssen, um darauf zu bauen, brauchen sie weniger Kapital und k\u00f6nnen schneller und mehr bauen. (Anm. d. \u00dc.)\" href=\"https:\/\/communaut.org\/de\/urbanismus-spektakel-und-besetzungen#footnote3_yc3lu9o\">3<\/a>, das die Eigennutzung f\u00f6rderte, eine andere staatliche Wohnungspolitik betrieben.<\/p>\n<p><strong>Die Stadt als Ausgangspunkt emanzipatorischer K\u00e4mpfe<\/strong><\/p>\n<p>Debord teilt die Position von Marx, die sich in dem mittelalterlichen Spruch widerspiegelt: \u00bbStadtluft macht frei\u00ab. Im Mittelalter bezog sich dieser Spruch auf ein Gewohnheitsrecht: Ein Leibeigener galt nach einem Jahr und einem Tag Aufenthalt in der Stadt als frei, wenn sein Herr ihn bis dahin nicht gefangen hatte. Dieses Gewohnheitsrecht wurde 1231 vom Heiligen R\u00f6mischen Reich f\u00fcr die St\u00e4dte unter seiner Gerichtsbarkeit formell abgeschafft! Anhand der Geschichte dieses Sprichworts zeigt sich, dass w\u00e4hrend des gesamten Mittelalters die Leibeigenen auf der Suche nach Freiheit in die St\u00e4dte fl\u00fcchteten. Und in den St\u00e4dten entwickelten sich sowohl die b\u00fcrgerliche als auch die proletarische revolution\u00e4re Bewegung. Nat\u00fcrlich, wie Marx und Engels in der\u00a0<em>Deutschen Ideologie<\/em>\u00a0feststellen: \u00bb<em>In der Vorstellung sind daher die Individuen unter der Bourgeoisieherrschaft freier als fr\u00fcher, weil ihnen ihre Lebensbedingungen zuf\u00e4llig sind; in der Wirklichkeit sind sie nat\u00fcrlich unfreier, weil mehr unter sachliche Gewalt subsumiert<\/em>\u00ab.<a id=\"footnoteref4_9dy1awf\" class=\"see-footnote\" title=\"MEW 3: 76\" href=\"https:\/\/communaut.org\/de\/urbanismus-spektakel-und-besetzungen#footnote4_9dy1awf\">4<\/a>Diese sachliche Gewalt beinhaltet nicht nur den indirekten wirtschaftlichen Zwang, sondern auch die direkte staatliche Gewalt, mit der wir konfrontiert werden. Es besteht also ein radikaler Unterschied zwischen den Bedingungen der Emanzipation der Leibeigenen und den Bedingungen der Emanzipation der Proletarier:innen, den Marx und Engels wie folgt beschreiben:<\/p>\n<p>\u00bbDer Unterschied vom Stand [des Feudalismus] tritt namentlich heraus im Gegensatz der Bourgeoisie gegen das Proletariat. Als der Stand der st\u00e4dtischen B\u00fcrger, die Korporationen pp. gegen\u00fcber dem Landadel aufkamen, erschien ihre Existenzbedingung, das Mobileigentum und die Handwerksarbeit, die schon vor ihrer Trennung vom Feudalverbande latent existiert hatten, als etwas Positives, das gegen das feudale Grundeigentum geltend gemacht wurde [\u2026]. Allerdings behandelten die entlaufenden Leibeignen ihre bisherige Leibeigenschaft als etwas ihrer Pers\u00f6nlichkeit Zuf\u00e4lliges. Hierin aber taten sie nur dasselbe, was jede sich von einer Fessel befreiende Klasse tut, und dann befreiten sie sich nicht als Klasse, sondern vereinzelt. Sie traten ferner nicht aus dem Bereich des St\u00e4ndewesens heraus, sondern bildeten nur einen neuen Stand und behielten ihre bisherige Arbeitsweise auch in der neuen Stellung bei und bildeten sie weiter aus, indem sie sie von ihren bisherigen, ihrer schon erreichten Entwicklung nicht [mehr] entsprechenden Fesseln befreiten. Bei den Proletariern dagegen ist ihre eigne Lebensbedingung [als Klasse], die Arbeit, und damit s\u00e4mtliche Existenzbedingungen der heutigen Gesellschaft, f\u00fcr sie zu etwas Zuf\u00e4lligem geworden, wor\u00fcber die einzelnen Proletarier keine Kontrolle haben und wor\u00fcber ihnen keine gesellschaftliche Organisation eine Kontrolle geben kann, und der Widerspruch zwischen der Pers\u00f6nlichkeit des einzelnen Proletariers und seiner ihm aufgedr\u00e4ngten Lebensbedingung, der Arbeit, tritt f\u00fcr ihn selbst hervor, namentlich da er schon von Jugend auf geopfert wird [\u2026]. W\u00e4hrend also die entlaufenden Leibeignen nur ihre bereits vorhandenen Existenzbedingungen frei entwickeln und zur Geltung bringen wollten und daher in letzter Instanz nur bis zur freien Arbeit kamen, m\u00fcssen die Proletarier, um pers\u00f6nlich zur Geltung zu kommen, ihre eigne bisherige Existenzbedingung, die zugleich die der ganzen bisherigen Gesellschaft ist, die Arbeit, aufheben. Sie befinden sich daher auch im direkten Gegensatz zu der Form, in der die Individuen der Gesellschaft sich bisher einen Gesamtausdruck gaben, zum Staat, und m\u00fcssen den Staat st\u00fcrzen, um ihre Pers\u00f6nlichkeit durchzusetzen.\u00ab<a id=\"footnoteref5_wfqfhdm\" class=\"see-footnote\" title=\"Ebd.,76f.\" href=\"https:\/\/communaut.org\/de\/urbanismus-spektakel-und-besetzungen#footnote5_wfqfhdm\">5<\/a><\/p>\n<p>W\u00e4hrend also f\u00fcr die befreiten Leibeigenen, die b\u00fcrgerlich wurden, die Stadt tats\u00e4chlich ein Raum der Befreiung war \u2013 auch wenn es sich um eine begrenzte und individuelle Befreiung handelte \u2013, traf dies f\u00fcr die Proletarier:innen nicht unmittelbar zu. Die Stadt ist auch aus unserer Sicht eindeutig ein Schauplatz f\u00fcr den Kampf f\u00fcr die Freiheit und ein Ort des Eingreifens in die Geschichte \u2013 d.h. ein Ort, an dem die Menschen die Gestaltung der Welt und ihrer selbst in die Hand nehmen \u2013, weil in den St\u00e4dten eine soziale Macht zusammenfindet, die solch ein emanzipatorisches Projekt erm\u00f6glicht, vor allem, weil in den St\u00e4dten so viele Proletarier:innen leben. Diese Ansammlung von Menschen hat jedoch, wie bisher erl\u00e4utert, auch eine negative Kehrseite \u2013 die Zersplitterung und Atomisierung der Individuen, durch die das soziale Leben in der Stadt immer mehr ausradiert wird. Aus diesem Grund sind die St\u00e4dte im Kapitalismus nur potenzielle Orte der Emanzipation.<\/p>\n<p>Die Zerst\u00f6rung der St\u00e4dte als R\u00e4ume des sozialen Lebens macht die St\u00e4dte zu pseudol\u00e4ndlichen Gegenden, weil sie mit der Atomisierung und Trennung der Individuen einhergeht. In der Tat f\u00fchrt dies zu einer weitaus schlimmeren Situation als auf den ehemaligen l\u00e4ndlichen Gebieten, wo es zumindest eine naturbezogene l\u00e4ndliche Gemeinschaft gab. Die Trennung in der modernen Stadt beginnt mit dem Individuum und der Kernfamilie und reicht bis zu identit\u00e4tspolitischen Gruppen, Berufsgruppen&#8230; die Liste nimmt kein Ende. Die Tatsache, dass die Apathie des modernen Proletariats durch die Stadtplanung, die B\u00fcrokratie und ganz allgemein durch das Spektakel konstruiert und aufrechterhalten werden muss, macht deutlich, dass diese Trennung in Wirklichkeit h\u00f6chst instabil ist und jederzeit im Zuge eines proletarischen Aufstands umgesto\u00dfen werden kann.<\/p>\n<p>F\u00fcr Debord hat nicht nur die kapitalistische Stadt, sondern der kapitalistische Raum im Allgemeinen ein\u00a0<em>quantitatives, totes und unbewegliches Dasein<\/em>\u00a0\u2013 darin folgt er Hegel. Im Gegensatz dazu ist die Zeit eine qualitative, immanente Bewegung. Deshalb spricht er von der Unterwerfung des Raums unter die gelebte Zeit in der proletarischen Revolution. Die Revolution ist also eine Kritik der Humangeographie, durch die Individuen und Gemeinschaften R\u00e4ume und Umst\u00e4nde erschaffen m\u00fcssen, die der Aneignung nicht mehr nur ihrer Arbeit, sondern ihrer gesamten Geschichte entsprechen. So wird ein sich st\u00e4ndig ver\u00e4ndernder Spielraum geschaffen, ohne die alte Bindung an das Land zu reproduzieren. Stattdessen wird das Leben als eine Reise begriffen und erlebt, die ihren ganzen Sinn in sich tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>F\u00fcr Debord ist der revolution\u00e4re Urbanismus die praktische Kritik des Urbanismus mittels sozialen K\u00e4mpfen und Klassenk\u00e4mpfen gegen das Kapital und den Staat, um\u00a0<em>die gesamte Lebensumgebung neu zu gestalten und die Totalit\u00e4t der bestehenden Verh\u00e4ltnissen zu ver\u00e4ndern.<\/em>\u00a0Die \u00dcberwindung der Entfremdung kann nichts Geringeres sein als das. In ihren\u00a0<em>Thesen zur Pariser Kommune<\/em><a id=\"footnoteref6_ryjyaks\" class=\"see-footnote\" title=\"https:\/\/www.cddc.vt.edu\/sionline\/si\/commune.html \" href=\"https:\/\/communaut.org\/de\/urbanismus-spektakel-und-besetzungen#footnote6_ryjyaks\">6<\/a>\u00a0stellen Guy Debord, Attila Kotanyi und Raoul Vaneigem die Kommune als einziges historisches Beispiel f\u00fcr die\u00a0<em>Verwirklichung eines revolution\u00e4ren Urbanismus\u00a0<\/em>dar: \u00bbdie erstarrten Zeichen der herrschenden Organisation des Lebens an Ort und Stelle angreifend, den sozialen Raum als politisch verstehend, sich weigernd, die Unschuld eines Denkmals zu akzeptieren\u00ab. Hier beziehen sich die situationistischen Autoren auf die Zerst\u00f6rung der Vandom-S\u00e4ule durch die Kommunard:innen und die Umbenennung des Vandom-Platzes in \u00bbPlatz der Internationale\u00ab. In der Stadt Chania ist das wichtigste Beispiel f\u00fcr die praktische Kritik am Urbanismus die\u00a0<em>Rosa Nera<\/em>, die jetzt ihren siebzehnten Geburtstag feiert und mit der Besetzung weiterer Geb\u00e4ude auf dem Kastelli-H\u00fcgel weiter gewachsen ist.<\/p>\n<ol>\n<li><a href=\"https:\/\/antithesi.gr\/\">https:\/\/antithesi.gr<\/a><\/li>\n<li>Das Buch mit dem Titel Die Gesellschaft des Spektakels: Notizen zur Lekt\u00fcre und Praxis ist momentan nur auf Griechisch erh\u00e4ltlich:\u00a0<a href=\"https:\/\/antithesi.gr\/?p=846\">https:\/\/antithesi.gr\/?p=846<\/a><\/li>\n<li>Das Abkommen entstand nach dem Zweiten Weltkrieg und der darauffolgenden Wohnungsnot. Es handelt sich dabei um eine Vereinbarung zwischen Grundst\u00fcckeigent\u00fcmer:innen und Bauunternehmen: Ein:e Grundst\u00fcckeigent\u00fcmer:in stellt dabei ein St\u00fcck Land einem Bauunternehmen zur Verf\u00fcgung, das darauf Wohnungen baut. Im Gegenzug erhalten die Grundst\u00fcckeigent\u00fcmer:innen einen Teil der auf ihrem Land gebauten Einheiten. Da die Bauunternehmen das Grundst\u00fcck nicht abkaufen m\u00fcssen, um darauf zu bauen, brauchen sie weniger Kapital und k\u00f6nnen schneller und mehr bauen. (Anm. d. \u00dc.)<\/li>\n<li>MEW 3: 76<\/li>\n<li>Ebd.,76f.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.cddc.vt.edu\/sionline\/si\/commune.html\">https:\/\/www.cddc.vt.edu\/sionline\/si\/commune.html<\/a><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>13. November 2021 Von Antithesi M. Lautr\u00e9amont Hausbesetzungen laufen oft Gefahr, in einem selbstreferenziellen Aktivismus und Kulturangebot zu m\u00fcnden, und sind meist unf\u00e4hig, mehr als subkulturelle R\u00fcckzugsorte zu werden. 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